Rating-Experten warnen Versicherer

Agentur Standard & Poor’s hält Markt für überbesetzt

Von Herbert Fromme, Frankfurt Die deutschen Versicherer müssen ihre Unternehmen nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) „trotz des derzeit herrschenden blauen Himmels wetterfest machen“. S&P-Analystin Karin Clements sieht trotz der hervorragenden Gewinne in der Branche langfristige Drohungen. „Der Konkurrenzdruck hat bereits wieder zugenommen, und das in einem Markt, der eindeutig überbesetzt ist“, sagte sie am Freitag in Frankfurt. Außerdem seien wichtige Segmente gesättigt. Der Druck auf die Branche werde allerdings gemildert von dem freundlicheren Kapitalanlageklima.

Neben dem zyklischen Abschwung der Branche stammen Probleme vor allem aus der drastischen Änderung des rechtlichen Rahmens für die Assekuranz. So werde das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG), das zurzeit im Bundestag beraten wird, weitreichende Veränderungen mit sich bringen. Clemens schloss Auswirkungen auf das Rating einzelner Versicherer nicht aus, nannte aber keine Einzelheiten. „Wenn das Gesetz so kommt, müssen wir mit den Gesellschaften reden, wie sich das auf Ertrag und Kapitalausstattung auswirkt.“ Die Branche fürchtet vor allem die Mindestrückkaufswerte für Lebensversicherungen – Garantiebeträge, zu denen ein Kunde die Police vorzeitig kündigen kann – sowie die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven.

Aus Sicht von Standard & Poor’s kommt es nach einer Phase der internen Konsolidierung durch Portfoliobereinigung und Bilanzstärkung zu mehr externen Konsolidierungsschritten – also Übernahmen und Fusionen. „Manche Gesellschaften haben ihre Hausaufgaben besser gemacht als andere“, sagte Analyst Wolfgang Rief.

Clemens sieht künftiges Wachstum vor allem in der Lebensversicherung, während der Markt in der Schaden- und Unfallversicherung – Kfz, Hausrat, Gebäude – weitgehend gesättigt sei. Beim Vertrieb gehe der Trend weg von Vertretern hin zu Maklern und Banken.

S&P bewertet derzeit 102 deutsche Versicherer, davon 69 in sogenannten interaktiven Ratings. Sie werden vom Unternehmen bezahlt und beruhen auf zahlreichen Gesprächen mit dem Management. Zu den Kosten sagte Clemens lediglich, sie lägen „zwischen 5000 Euro und 1 Mio. Euro. Branchenkreise gehen von mindestens 50 000 Euro für ein interaktives Rating aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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