Sparkassenprüfen Fusion der Versicherer

Bundesweit einheitlicher Leben-Anbieter möglich

Von Herbert Fromme, Köln In der Sparkassenorganisation wird über eine mögliche Zusammenlegung der Lebensversicherer der Gruppe nachgedacht. Das bestätigte Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, Chef der Sparkassenversicherung (SV) in Stuttgart, gestern bei der Vorstellung der Bilanz 2006. Konkretere Angaben wollte Wolff von der Sahl nicht machen.

Ein einheitlicher Lebensversicherer wäre eine kleinere Alternative zur Gründung einer Gesamtholding für alle öffentlichen Versicherer. Sie treten streng nach dem Regionalprinzip an, unter Marken wie SV, Versicherungskammer oder Provinzial. In vielen Regionen sind sie Marktführer, zusammengenommen nach der Allianz die Nummer zwei im Markt. Die SV ist mit 2,7 Mrd. Euro die drittgrößte öffentliche Gesellschaft.

Im Oktober 2006 hatte die Spitze der deutschen Sparkassen von den zwölf öffentlichen Versicherern Vorschläge für „eine andere Struktur“ verlangt – der entsprechende Brief kam von Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, und Rolf Gerlach, Chef des westfälisch-lippischen Verbandes und Vorsitzender der Verbandsvorsteher. Der Brief war als Signal für die mögliche Gründung einer Deutschland-Holding verstanden worden.

Bisher liegen keine Vorschläge der Versicherungschefs vor. Aber es zeichnet sich ab, dass eine Gesamtholding auf starken Widerstand stößt. Deshalb brachte Haasis auf mehreren Veranstaltungen – zuletzt am 12. Mai vor der Vereinigung der Versicherungsbetriebswirte – einen gemeinsamen Lebensversicherer ins Gespräch. Die öffentlichen Gesellschaften haben bereits mit Consal eine einheitliche Krankenversicherungsgruppe.

Haasis und andere Sparkassenchefs fürchten, dass ihre Versicherer Marktanteile verlieren und davon auch die Sparkassen betroffen sind. Andere Gesellschaften wie Allianz oder Axa haben umstrukturiert, das öffentliche Lager bleibt trotz einiger Fusionen zersplittert. Dazu kommt: Es gibt nur ein einziges gemeinsames Lebensversicherungsangebot der Öffentlichen, die Riester-Rente. Sie wird als „Förderrente“ bundesweit beworben und ist ein Sparkassenprodukt. Die öffentlichen Lebensversicherer dürfen aber aus Kartellgründen keine einheitlichen Angebote und Preise lancieren – ein Problem, dass durch die Gründung einer einheitlichen Gesellschaft gelöst würde.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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