Swiss-Re-Aktie verliert trotz Umsatz- und Gewinnsprung

Weltgrößter Rückversicherer sieht positive Aussichten für Branche · Quartalsergebnis wächst um 54 Prozent · Anteile verlieren stärker als Markt

Von Herbert Fromme, Köln S wiss-Re-Aktien haben trotz eines Gewinnsprungs des weltgrößten Rückversicherers im ersten Quartal um 54 Prozent auf 1,33 Mrd. Schweizer Franken gestern deutlich an der Börse verloren. Der Kurs fiel stärker als der Gesamtmarkt um 2,6 Prozent auf 113,80 Franken. „Die Anleger meinen, dass die Swiss Re ihre Sache gut gemacht hat und man jetzt woanders hinschauen muss, zum Beispiel auf die Münchener Rück“, sagte Analyst René Locher von Sal. Oppenheim der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Weltmarktführer in der Rückversicherung legte zum ersten Mal in seiner Geschichte Quartalszahlen vor. Die dreimonatliche Berichterstattung ist in der Versicherungsbranche umstritten. Viele Experten halten die Aussagekraft von Zahlen für so kurze Zeiträume für gering in einer Branche, die große Risiken über Zeit ausgleicht.

Die Prämieneinnahmen des Unternehmens stiegen um 23 Prozent auf 8,09 Mrd. Franken – größtenteils ein Ergebnis der Übernahme von GE Insurance Solutions. Swiss Re hatte den fünftgrößten Rückversicherer der Welt 2006 für 7,4 Mrd. $ erworben und war dadurch im globalen Ranking von Platz zwei auf Platz eins vorgerückt. Verdrängt wurde die Münchener Rück.

Als Teil der Umstrukturierung nach dem Zukauf will Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain bis zu 2000 Arbeitsplätze abbauen. Die Übernahme habe sich schon im ersten Quartal beim Gewinn positiv bemerkbar gemacht, hieß es.

Die gesamten Erträge aus Kapitalanlagen stiegen gegenüber dem ersten Quartal 2006 um 44 Prozent auf 2,3 Mrd. Franken. Der kombinierte Schaden-Kosten-Satz stieg von 91,0 auf 94,8 Prozent. Wie große Wettbewerber nutzte auch Swiss Re den Aktienboom und verkaufte Papiere. So trennte sich der Rückversicherer vom berühmten Hochhaus in der Londoner City, im Volksmund „Gherkin“ („Gurke“) genannt. Allein dieser Verkauf sorgte für 286 Mio. Franken Sondergewinn. Das glich die Folgen von „Kyrill“ mehr als aus – der verheerende Wintersturm belastete das Ergebnis nach Steuern mit 140 Mio. Franken.

Die positive Grundstimmung für die Branche bleibe bestehen, teilte Swiss Re weiter mit und verwies zur Begründung auf die Vertragserneuerungen im April.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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