Verbriefungen als Alternative zur klassischen Rückdeckung

Anleihe für Hochwasserrisiken in Großbritannien

Von Herbert Fromme Mit einer Katastrophenanleihe über 150 Mio. $ geht Allianz Global Corporate and Specialty (AGCS) neue Wege. Zum ersten Mal deckt sich ein Industrieversicherer gegen Hochwasserschäden in Großbritannien mit einem Katastrophenbond ab. Das Risiko wird damit von Investoren getragen. Gibt es keinen Schaden, erhalten sie höhere Zinsen, bei Schäden verlieren sie ihr Geld insgesamt oder teilweise oder müssen auf die Rückzahlung warten.

Die Deckung umfasst auch Erdbebenschäden in Kanada und den USA, mit Ausnahme Kaliforniens. „Eine solche Deckung für britische Flutrisiken hat es noch nicht gegeben“, sagt der Vorstandsvorsitzende von AGCS, Axel Theis. „Als wir das planten, sagten viele, das kriegt ihr nicht hin.“

Theis glaubt, dass der Schritt große Bedeutung hat. „Wir haben jetzt neue Möglichkeiten des Risikotransfers. Bisher hat er nur über traditionelle Rückversicherungsmärkte stattgefunden.“

AGCS arrangierte das Geschäft mithilfe von Swiss Re Capital Markets. Die Emission von 150 Mio. $ ist Teil eines Programms über 1 Mrd. $.

Für das Programm gründete Swiss Re die Zweckgesellschaft Blue Wings auf den Kaimaninseln. Blue Wings gibt Swiss Re Schutzdeckungen für Katastrophenrisiken, die der Rückversicherer an AGCS weiterreicht.

Blue Wings hat eine stark überzeichnete Anleihe ausgegeben, deren Zinssatz um 3,15 Prozent über dem Londoner Referenzzins Libor liegt.

Die Schwierigkeit in diesem Fall: Es gab für Flutrisiken bisher keinen akzeptierten „Trigger“, einen Auslöser, ab dem die Investoren Geld verlieren. Den hat für diese Transaktion das Spezialunternehmen Risk Management Solutions entwickelt, bekannt durch seine Hurrikanmodelle in den USA.

Der neue Hochwasserindex beruht auf dem an mehr als 50 Standorten gemessenen Wasserstand in Großbritannien. „Dafür braucht man die entsprechenden Daten, muss das Modell aber auch so transparent gestalten können, dass ein Dritter sich hineinversetzen kann“, sagte Theis. Das sei gut gelungen und habe Mut gemacht, weitere Transaktionen vorzubereiten. „Das werden wir auch tun“, kündigt Theis an. Auch für Industriekunden mit besonderen Deckungsproblemen hält der Manager Verbriefungen für eine gute Lösung.

Zitat:

„Wir haben jetzt neue Möglichkeiten“ – Axel Theis, AGCS –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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