Vom Straßenkind bis zum Spritsparen

Der Automobilhersteller Volkswagen gibt vieles als CR aus. Nicht alles zu recht

Von Anja Krüger Sven Kranz ist der 57. Mitarbeiter des Wolfsburger Automobilherstellers Volkswagen, der Stammzellen für einen an Leukämie erkrankten Patienten gespendet hat. Im April ließ der 30-jährige Fräser sich die Zellen entnehmen.

Viele Patienten mit Blutkrebs benötigen die Übertragung von Stammzellen oder die Knochenmarktransplantation, um zu überleben. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Köln baut seit 1991 eine Datei mit Spendewilligen auf. VW wirbt seit zehn Jahren unter den Mitarbeitern für die Aufnahme in die Datei. Die 32 Betriebsärzte nahmen bisher mehr als 9300 von 50 000 Beschäftigten für die erforderliche Typisierung Blut ab. Die Kosten in Höhe von 50 Euro trägt VW. „Viele Unternehmen führen als Teil ihrer Corporate-Social-Responsibility-Strategie Aktionen für unsere Datei durch“, berichtet DKMS-Geschäftsführerin Claudia Rutt. Die Datei umfasst mehr als 1,5 Millionen potenzielle Spender. Über 1500 Firmen oder Institutionen wie Airbus, Aventis oder VW haben Mitarbeiter zur Registrierung aufgerufen.

Aktionen wie diese sind löblich, haben aber mehr zu tun mit Wohlfahrt, statt mit Corporate Responsibility (CR). Schließlich bedeutet CR, dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit wahrnehmen – und nicht bloßes karitatives Engagement. Die Aktionen für die DKMS hätten durchaus auch karitativen Charakter, räumt der Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen Pkw, Michael Kern, ein. Das bedeute aber nicht, dass Projekte wie diese altruistischer Selbstzweck seien. „In der Öffentlichkeit wird mit der DKMS das Gleiche verbunden wie mit der Marke Volkswagen: Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit, Partnerschaftlichkeit und Nachhaltigkeit“, sagt er.

Der Konzern unterhält viele CR-Projekte, die fast schon beliebig wirken: Er unterstützt unter anderem das Kinderhilfswerk World Vision, die Kinderhilfsprojekte des Sängers Peter Maffay und die Franz-Beckenbauer-Stiftung ebenso wie Straßenkinderprojekte in Brasilien, Tsunamiopfer in Indien und ein Hospiz in Salzgitter.

Darüber hinaus engagiert VW sich aber auch in Bereichen, die direkt mit dem Unternehmen zu tun haben. VW Südafrika hat etwa ein Programm zu HIV/Aids-Vorbeugung für Mitarbeiter aufgelegt. Auch organisiert VW mit dem Umweltverband Nabu Trainings zum Spritsparen. Nachhaltigkeit hat für VW einen hohen Stellenwert. Der Konzern hat zwei Drei-Liter-Pkw auf den Markt gebracht, deren Produktion allerdings mangels Nachfrage eingestellt wurde. „Die Kunden wollten damals nicht diese Ökomodelle“, sagt Michael Winter vom Unternehmensberater Stakeholder Reporting. Das habe sich geändert. „VW wird sich durch Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile verschaffen“, sagt er. Dabei gehe es nicht nur ums Image, sondern um Marktanteilsgewinne, etwa durch Autos mit geringem Spritverbrauch oder alternativem Antrieb.

Zitat:

„VW wird sich durch Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile verschaffen“ – Michael Winter, Stakeholder Reporting –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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