WTC-Versicherer geben nach

Allianz und sechs andere Gesellschaften einigen sich auf Vergleich mit Pächter des World Trade Center

Von Heike Buchter, New york,und Herbert Fromme, Köln Nach sechs Jahren Rechtsstreit haben sich der US-Immobilieninvestor Larry Silverstein und die sieben Versicherer des World Trade Center (WTC) auf einen Vergleich in Höhe von 2 Mrd. $ geeinigt. Das hebt die Gesamtsumme, die Silverstein und der Landbesitzer Port Authority of New York & New Jersey von den Gebäudeversicherern erhalten, auf 4,55 Mrd. $

Betroffen sind die Versicherer Allianz, Employers, Royal Indemnity, Swiss Re nebst Tochter Industrial Risk Insurers sowie Travelers und Zurich Financial. Besonders die Allianz hatte sich lange gegen eine zusätzliche Zahlung an Silverstein gewehrt. „Wir sehen den Vorteil darin, dass wir jetzt Sicherheit haben“, sagte Andreas Shell, der für die Allianz den WTC-Schaden koordiniert.

Der französische Rückversicherer Scor, bei dem die Allianz einen Teil des Risikos gedeckt hat, sieht sich durch den Vergleich nicht gebunden. Die Vereinbarung mit Silverstein gehe über die vertraglichen Ansprüche hinaus und enthalte freiwillige Zahlungen des deutschen Versicherers. „Scor wird ein Schiedsgerichtsverfahren dazu beantragen“, teilte das Unternehmen mit. Scor will den Konkurrenten Converium übernehmen und hat offensichtlich Sorge, dass Meldungen über eine bilanzielle Belastung den Prozess stören könnten.

Die New Yorker Einigung ist der größte Vergleich der Versicherungsgeschichte. Welchen Anteil die einzelnen Gesellschaften tragen, wurde nicht bekannt. Alle Beteiligten unterzeichneten ein Geheimhaltungsabkommen über die Bedingungen des Vergleichs. Die Allianz teilte lediglich mit, der Vergleich wirke sich nicht auf das Ergebnis aus. Es gebe dafür Rückstellungen.

„Es ist von grundlegender Bedeutung, dass wir das World Trade Center so rasch wie möglich wieder aufbauen“, sagte New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer bei einer Pressekonferenz. „Die offenen Versicherungsansprüche waren das letzte große Hindernis zum Wiederaufbau, über sie ist erbittert und eingehend fast sechs Jahre lang gestritten worden.“ Mit der Einigung stünden nun Silverstein und der öffentlich-rechtlichen Port Authority die nötigen Mittel für die Baumaßnahmen zur Verfügung.

Spitzer, der als Generalstaatsanwalt durch seine Klagen gegen Wall-Street-Häuser, Versicherer und Makler weltweit bekannt wurde, hat den Wiederaufbau des WTC nach seiner Wahl zum Gouverneur des Staates zur Priorität erklärt. Nach seinem Amtsantritt im Januar beauftragte er die Versicherungsaufsicht damit, die Beteiligten zu einem Kompromiss zu bringen. Sie wird von Eric Dinallo geleitet, einem Vertrauten Spitzers, den der neue Gouverneur ernannte. Ende März begann Dinallo damit, eine Reihe von Treffen mit den streitenden Parteien durchzuführen. Spitzer sagte gestern, die beiden Seiten hätten sich wie Eishockeyspieler „ein sehr hartes Spiel geliefert“. Danach schüttele man sich die Hände.

Schon vorher hatten New Yorker Politiker heftigen Druck auf die Allianz und andere Versicherer ausgeübt. Am 11. September 2001 hatten islamistische Terroristen das WTC mithilfe entführter Linienflugzeuge zum Einsturz gebracht. Für den Schaden hatte die Allianz an Silverstein nach ihren eigenen Angaben vor dem Vergleich bereits 553 Mio. $ gezahlt. Silverstein verlangte von der Gesellschaft noch einmal dieselbe Summe. Ein Kernpunkt der Auseinandersetzung mit der Allianz war die Frage, welche Wiederherstellungskosten Silverstein nach dem Wortlaut der Police überhaupt zustehen.

Silverstein hatte das WTC bei 24 Versicherern mit unterschiedlichen Verträgen abgedeckt, die versicherte Summe betrug 3,5 Mrd. $. Silverstein forderte ursprünglich 7 Mrd. $, weil es sich seiner Ansicht nach um zwei Schadenereignisse handelte. Die US-Gerichte sind dieser Auffassung nicht gefolgt. 2004 entschieden sie, dass sich die Höchstentschädigung auf 4,68 Mrd. $ belaufen könne.

Bild(er):

Baustelle Ground Zero: Auf dem Gelände des am 11. September zerstörten World Trade Center in New York entstehen derzeit der 541 Meter hohe Freedom Tower, der 2011 eröffnet werden soll, sowie drei weitere Hochhäuser – AP/Mark Lennihan

www.ftd.de/allianz

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Der Vergleich am Ground Zero

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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