Autoversicherer beenden Preiskrieg

Tarife im Neugeschäft steigen leicht · Anbieter wollen stärker differenzieren · „Kyrill“ kostet 3 Mrd. Euro

Von Anja Krüger, Berlin In der deutschen Autoversicherung ist das Ende des Preiskrieges in Sicht. „Die Tarife im Neugeschäft sind stabil oder wurden leicht angehoben“, sagte Edmund Schwake, Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), gestern in Berlin. Die Versicherer würden aber 2007 und wahrscheinlich auch 2008 kein positives Vorzeichen bei der Beitragsentwicklung verzeichnen.

Marktführer Allianz hatte 2004 die Preise in der Autoversicherung massiv gesenkt, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen, und damit eine Abwärtsspirale ausgelöst. Für 2007 erwarten die Versicherer in der Kraftfahrt einen Rückgang der Prämieneinnahmen von 2,4 Prozent auf 20,7 Mrd. Euro nach einer Senkung der Beiträge von 3,8 Prozent 2006. Außerdem werden die Versicherer nach Schwakes Einschätzung mehr für Schäden sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten ausgeben, als sie an Beiträgen einnehmen. Die Durchschnittsprämien befänden sich mit 234 Euro in der Kfz-Haftpflicht und 278 Euro in Vollkasko auf dem Niveau von vor 25 Jahren, sagte Schwake.

Die Versicherer fürchten den Anstieg der Schadenhäufigkeit im gewerblichen Bereich unter anderem wegen der guten Wirtschaftslage. Außerdem sei zu erwarten, dass die Konjunkturbelebung und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zeitverzögert auf das allgemeine Preisniveau durchschlügen und damit auch die auftretenden Schäden in der Kfz-Versicherung verteuerten, sagte Schwake. „Vor diesem Hintergrund ist auch die sich anbahnende Trendwende in der Prämienpolitik der Autoversicherer zu verstehen.“

Positive Auswirkungen auf die Schadenentwicklung verspricht sich die Branche dagegen von dem neuen Alkoholverbot für Fahranfänger in der Probezeit für Fahrer, die jünger sind als 21 Jahre.

Auch in der industriellen Sachversicherung haben die Preise in den vergangenen Jahren stark nachgegeben. Hier sei keine Trendwende zu sehen, sagte Schwake. Kunden können also mit weiter sinkenden Preisen rechnen.

In der Schaden- und Unfallversicherung insgesamt ist der Trend zu Beitragsrückgängen gebremst. Für 2007 rechnet der GDV mit einem Beitragsrückgang von 0,4 Prozent auf 54,7 Mrd. Euro nach einem Absinken der Prämien um 0,9 Prozent in 2006. Hart wird die Assekuranz aber der Rückgang des versicherungstechnischen Gewinns treffen, der wegen der Schäden aus dem Sturm „Kyrill“ voraussichtlich um zwei Drittel auf 1,3 Mrd. Euro fallen wird.

Der versicherungstechnische Gewinn besteht aus den Prämieneinnahmen abzüglich der Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Schäden. Der Sturm „Kyrill“, der im Januar über ganz Deutschland tobte, kostet die deutschen Versicherer voraussichtlich 3 Mrd. Euro, berichtete Schwake. Ursprünglich waren die Versicherer von 2 Mrd. Euro ausgegangen. „Mit 1,3 Mrd. Euro ist die Wohngebäudeversicherung am stärksten von diesem Kumulereignis betroffen“, sagte Schwake. „Wir rechnen hier beim Schadenaufwand mit einem satten Anstieg von 45 Prozent“

Der GDV verschaffe sich zurzeit ein umfassendes Bild über die in Deutschland zu erwartenden Naturkatastrophen. „Wir brauchen eine differenzierte Analyse, um differenzierte Tarife und Produkte anbieten zu können“, sagte Schwake. Dabei gehe es nicht darum, Risiken auszuschließen. „Wir sind nicht unterwegs, um zu sagen, das können wir nicht versichern“, betonte er.

Bild(er):

Erwartet kein gutes Jahr für die Schaden- und Unfallversicherung: Edmund Schwake vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft – Marco Urban

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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