Deutscher Ring plant Umbau

Krankenversicherungsverein soll Bestand auf Aktiengesellschaft übertragen · Basler will mehr Macht

Von Herbert Fromme, Köln Die Versicherungsgruppe Deutscher Ring in Hamburg plant eine weitreichende Änderung der heute sehr komplizierten Struktur. Nach Informationen der FTD aus Branchenkreisen gehört zu den zurzeit erwogenen Optionen die Verlagerung des größten Teils des Bestands vom Versicherungsverein Deutscher Ring Krankenversicherung in eine neue Aktiengesellschaft. Diese AG gehörte dann zu einer Holding, an der wiederum der Versicherungsverein beteiligt wäre.

Mehrheitseigner wäre die Baloise-Holding, die Muttergesellschaft der Basler Versicherungsgruppe in der Schweiz. Die Baloise besitzt heute schon jeweils 100 Prozent der Aktiengesellschaften Deutscher Ring Lebensversicherung und Deutscher Ring Sachversicherung, das sind die Schwestergesellschaften des Krankenversicherers.

Der Deutsche Ring wollte sich nicht äußern, die Basler antwortete auf Anfragen nicht. In Versicherungskreisen hieß es, Entscheidungen seien noch nicht getroffen. „Vor allem muss die Mitgliedervertretung der Deutschen Ring Krankenversicherung zustimmen“, hieß es. Das sei keineswegs gesichert. Allerdings würde eine solche Reform „enorm viel Sinn machen“. Dadurch könne die Baloise auf die Töchter „durchgreifen und den Deutschen Ring einheitlich führen“. Außerdem sei es mittelfristig möglich, die Niederlassung der Basler in Bad Homburg mit der Schwester in Hamburg sehr viel klarer zu verzahnen.

Der Konzern Deutscher Ring vereint seit den zwanziger Jahren zwei verschiedene Rechtsformen. Die 1913 und 1923 gegründeten Lebens- und Sachversicherungsgesellschaften hatten von Anfang an die Form von Aktiengesellschaften, der 1925 gebildete Krankenversicherer war seit Gründung ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Wie alle VVaGs hat er keinen Besitzer, sondern „gehört“ seinen Mitgliedern – etwa wie der ADAC seinen Mitgliedern gehört. Große Gesellschaften wie HUK-Coburg, Debeka, Gothaer, Talanx/HDI oder VHV haben diese Rechtsform.

Solange der Gründer, der Deutschnationale Handelsgehilfen-Verband, und später die Deutsche Angestelltengewerkschaft die Mehrheit hatten, war das kein wirkliches Problem. Aber seit 1960 gehören die Aktiengesellschaften in der Gruppe anderen Eignern: 1960 übernahm Rudolf August Oetker die Mehrheit des Lebensversicherers, 1985 kaufte die Baloise diese Mehrheit und 100 Prozent am Sachversicherer.

Der Krankenversicherer ist mit der Gruppe über Kooperationsverträge, ein einheitliches Management und gemeinsame Beteiligungsgesellschaften wie OVB und Zeus Vermittlungsgesellschaft verbunden. Einen direkten Durchgriff auf den Krankenversicherer hat die Baloise aber nicht, bei wichtigen Entscheidungen muss die mächtige Mitgliedervertretung zustimmen. Das wollen die Schweizer jetzt offenbar ändern.

Das Holding-Modell mit einem Versicherungsverein als Eigner oder Mit-Eigner ist nicht neu. Die Versicherer Gothaer in Köln und HDI-Talanx in Hannover haben ähnliche Umbauten hinter sich. Das Versicherungsgeschäft wird von Aktiengesellschaften betrieben, die zu einer Holding gehören. Die Aktien der Holding gehören allerdings bei Gothaer und Talanx mehrheitlich Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit, beim Deutschen Ring wäre es nur die Minderheit. In jedem Fall betreiben die Versicherungsvereine noch eine sehr kleine eigene Versicherungsaktivität, um diesen Status nicht zu verlieren.

Mit 1,5 Mrd. Euro Prämie gehört der Deutsche Ring zu den mittelgroßen Versicherern. Nach langjähriger Krise hat sich vor allem der Krankenversicherer in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Bereits Ende 2006 änderte Konzernchef Wolfgang Fauter die Führungsstruktur. Er verkleinerte den Vorstand und reduzierte die Bedeutung der Vorstände der Einzelgesellschaften. Statt dessen erhielten die Top-Manager Funktionen in der ganzen Gruppe. Seither werden diese drei juristisch selbstständigen Gesellschaften wie ein Unternehmen geführt, vor allem was die Verzahnung mit den Vertrieben angeht.

Sollte der Deutsche Ring den Umbau nach dem Vorbild Gothaer betreiben, dürfte das die Diskussion über die so genannte Demutualisierung in Deutschland erneut beleben. In Großbritannien, den USA und Kanada erhalten Versicherte für die Aufgabe ihrer Mitgliederrechte bei der Umwandlung von Vereinen in Aktiengesellschaften erkleckliche Summen, gestaffelt nach Versicherungshöhe und -dauer. In Deutschland gehen Versicherte bei der stillen Demutualisierung nach dem Gothaer-Modell dagegen leer aus.

Bild(er):

Zentrale des Versicherers Deutscher Ring im Hamburg: Die Struktur des Unternehmens ist extrem komplex – Kollektivfoto/Dirk Zimmer

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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