Gewinne der Rückversicherer sinken

Nachfrage nach Absicherung sinkt · FTD-Interview mit Partner-Re-Europachef Bruno Meyenhofer

Von Herbert Fromme und Patrick Hagen, Köln Die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz geht zurück, während das dafür zur Verfügung stehende Kapital zunimmt, wie der Rückversicherer Partner Re festgestellt hat. „In der Folge gehen die Preise für Rückversicherungsschutz nach unten“, sagte Partner-Re-Europachef Bruno Meyenhofer im FTD-Interview. „Die meisten Rückversicherer melden sehr gute Gewinne. Aber das beruht auch auf den Nachläufen der exzellenten Vorjahre.“ Strikt auf Jahresbasis betrachtet seien die Gewinne rückläufig.

„In den vergangenen drei Jahren sind die Gesamt-Prämieneinnahmen der Rückversicherer bereits um acht Prozent zurückgegangen“, sagte Meyenhofer. Der Markt befinde sich eindeutig in seiner „weichen“ Phase mit fallenden Preisen. „Für uns ist das eine sehr interessante Zeit“, sagte er. „Wie man hier aufgestellt ist, entscheidet letztlich darüber, wie man vom Aufschwung profitiert.“

Rückversicherer sind die Versicherer der Assekuranz. Erstversicherer wie Axa oder Württembergische übernehmen Risiken von Endkunden; das können Privatleute oder Unternehmen sein. Rückversicherer decken sie gegen Großschäden und andere besondere Belastungen ab. Marktführer sind Swiss Re und Münchener Rück.

Ein Hauptgrund für die derzeit schwache Nachfrage nach Schutz sei, dass die Kunden gut kapitalisiert sind und mehr Risiken in den eigenen Büchern behalten, statt sie an Rückversicherer weiterzugeben, so Meyenhofer. „Das sehen wir aber gar nicht so ungern. Ich werde viel unruhiger, wenn ein Versicherer ein Risiko so weit wie möglich bei uns loswerden will.“ Dazu komme eine Änderung im Kaufverhalten. Statt die Rückversicherer mit festen Prozentsätzen an Einnahmen und Schäden zu beteiligen, suchten die Erstversicherer zunehmend nur Deckung für genau definierte Spitzenrisiken. „Diese Deckungsform führt zu niedrigeren Prämieneinnahmen.“

Gleichzeitig gebe es mehr Kapital – bestehende Rückversicherer hätten in den Vorjahren exzellent verdient und nur einen Teil ausgeschüttet, den anderen wollten sie geschäftlich nutzen. Der Kapitalmarkt liefere über die Verbriefung von Risiken zusätzliche Kapazität. „Das sehen wir in erster Linie als Ergänzung zur traditionellen Rückversicherung, nicht als Ersatz.“ Dass die Kapitalmärkte der Verbriefung so viel Aufmerksamkeit widmeten, liege auch an den allgemein niedrigen Margen.

Mit 3,7 Mrd. $ Netto-Prämieneinnahmen im Jahr 2006 gehört Partner Re zu den mittelgroßen Gesellschaften. Gegründet wurde sie 1992 von Swiss Re als reiner Katastrophenrückversicherer mit Sitz Bermuda. Inzwischen ist Swiss Re als Anteilseigner ausgeschieden. Die in New York börsennotierte Partner Re hat keinen Großaktionär mehr, das Geschäftsfeld wurde deutlich erweitert. Partner Re ist hochprofitabel und verdiente 2006 749 Mio. $ nach Steuern.

„Wir gelten in Europa jetzt als europäische Gesellschaft“, sagte Meyenhofer, der von Zürich aus für das weltweite Geschäft außerhalb der USA zuständig ist. In Nordamerika erzielt Partner Re 43 Prozent des Umsatzes, 42 Prozent in Europa.

„Wegen der Marktsituation wachsen wir zur Zeit organisch eigentlich nicht“, sagte er. „Wir geben auch einzelne Prozentpunkte auf.“ Allerdings legt Partner Re durch kleine Übernahmen zu. Gerade hat die Gesellschaft das Neugeschäft der französischen Monceau-Gruppe außerhalb Frankreichs erworben. „Das wirkt sich mit rund 100 Mio. $ Prämieneinnahmen bei uns aus“, sagte er. Weitere Zukäufe will er nicht ausschließen. Meyenhofer wollte nicht sagen, ob Partner Re ein Angebot für den Züricher Konkurrenten Converium – mit 1,9 Mrd. $ deutlich kleiner – erwogen habe. Converium wird gerade von Scor übernommen und hatte zunächst Alternativen gesucht.

Partner Re selbst sieht Meyenhofer nicht als akutes Übernahmeziel. „Da müsste jemand schon einen sehr schönen Preis bieten“, sagte er. „Aber wenn jemand bereit ist, exorbitant zu zahlen, bitte schön.“

Die Marktsituation in der Rückversicherung könne sich schon rasch wieder nach oben wenden. „Dazu können große Ereignisse in den Kapitalmärkten beitragen, aber auch Katastrophen im Versicherungssinn“, so Meyenhofer. Das könnten ein Erdbeben in Kalifornien oder Japan sein oder schwere Stürme. Auch Terroranschläge wie jener auf das World Trade Center führten zu allgemeiner Verunsicherung und damit zu höheren Risikopreisen. „Man kann nur hoffen, dass es wenig Opfer an Menschenleben gibt, aber passieren werden solche Katastrophen“, sagte Meyenhofer.

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Bruno Meyenhofer, CEO von Partner Re Global, glaubt an Chancen in der Niedrigpreisphase des Rückversicherungsmarkts – FTD/Juergen Schwarz

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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