Mehr Transparenz am Zweitmarkt

Handelsplattformen für Fondsanteile streiten über die künftigen Regeln

Von Katrin Berkenkopf Einheitliche Handelsleitlinien für die Marktplätze fordert der Zweitmarktanbieter Deutsche Sekundärmarkt (DSM). Investoren geschlossener Fonds haben mittlerweile die Auswahl zwischen einer ganzen Reihe von Ankäufern und Plattformen, die Fondsanteile handeln und alle ihren eigenen Regeln folgen. Nicht nur die Handelsplätze müssten mehr Transparenz zeigen, sondern auch die Fondshäuser selbst. „Langfristig wird es so sein, dass diejenigen am Zweitmarkt nicht gehandelt werden, die sich bestimmten Publizitätsregeln nicht unterwerfen“, erwartet Philipp Jörss, Geschäftsführer bei DSM.

Das Unternehmen ist eine Tochter der Hamburger Nordcapital. Die Gruppe legt auch selbst Zweitmarktfonds auf und tritt daher als Käufer bei der eigenen wie auch bei anderen Plattformen auf. Von den Handelsplätzen fordert DSM unter anderem ein offenes Preisfindungsverfahren mit Abbildung der gebotenen Preise und Kurslisten für Transaktionen der Vergangenheit.

Genau das hat sich Deutsche Zweitmarkt vorgenommen: Ab Anfang Juli will die Handelsplattform ein Kursbuch für Schiffsbeteiligungen online stellen. Es wird rund 2300 Transaktionen aus den vergangenen fünf Jahren mit einem Nominalvolumen von rund 230 Mio. Euro umfassen, so Nikolas Dierkes, Vorstand von Deutsche Zweitmarkt. „Damit bilden wir derzeit rund 70 Prozent des Marktes ab.“ Die Zahlen sollen vierteljährlich aktualisiert werden. Anleger können damit die Kursentwicklung ihrer Beteiligung verfolgen und aktuelle Mindest- oder Maximalpreise ablesen. „Mehr Transparenz geht nicht.“

Um faire Preise zu erzielen, braucht es aber nicht nur faire Handelsbedingungen, sondern auch Informationen über den jeweiligen Fonds. Wenn etwa ein Schiff einen Maschinenschaden erlitten hat und für mehrere Monate ausfällt oder die Fondsgesellschaft über einen Verkauf verhandelt, beeinflusst das den Wert des Fondsanteils. Oftmals erfahren Verkäufer und Käufer aber zu spät von den Entwicklungen. Das gibt auch DSM-Geschäftsführer Jürgen Wollny zu: Steht ein Schiff eines Nordcapital-Fonds vor dem Verkauf, wird es bei DSM vom Handel ausgesetzt. An anderen Plattformen läuft der Handel aber möglicherweise weiter und führt zu verzerrten Preisen. Er setzt sich deshalb für die Einführung von Ad-hoc-Meldungen ein.

Im Premiumsegment der Fondsbörse in Hamburg gehören solche Mitteilungspflichten deshalb für die Fondsemittenten zu den Voraussetzungen für die Aufnahme, erklärt Alex Gadeberg, Vorstandsmitglied der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler. „Aber auch im Standardsegment findet mehr und mehr ein reger Informationsfluss statt. Darüber hinaus wäre es schön, wenn alle im Markt dieser Verpflichtung nachkommen würden.“ Bis jetzt gehöre etwa Nordcapital zu denjenigen, die dem Konkurrenten Fondsbörse keine solchen Mitteilungen machen, kritisiert Gadeberg.

„Noch ist es ein ineffizienter Markt. Jeder hat seine eigenen Ideen“, sagt Wilfried Tator, Chefanalyst bei der Scope Group. „Die guten Komponenten werden sich aber durchsetzen und vereinheitlicht.“ Dieser Prozess werde aber noch drei bis fünf Jahre dauern.

Zitat:

„Noch ist esein ineffizienter Markt“ – Wilfried Tator, Scope Group –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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