Solvency II nutzt Versicherern bei Kapitalanlage

Neue Eigenkapitalvorschriften erzeugen wertvolle Datensätze

Von Patrick Hagen und Tobias Müller Die neuen Eigenkapitalvorschriften Solvency II ermöglichen der Assekuranz einen besseren Blick auf Gefahren, die ihnen drohen. Das können sie nutzen, um gezielter Risiken einzugehen. „Versicherer müssen in Zukunft ihre Erkenntnisse über den Bedarf an Risikokapital besser in unternehmerisches Handeln umsetzen“, sagt Wolfgang Hoffmann von der Unternehmensberatung Towers Perrin Tillinghast.

Mit Solvency II werden europaweit einheitliche Vorschriften für die Kapitalausstattung von Versicherern eingeführt. Im Juli legt die EU-Kommission den ersten Entwurf vor. Verbraucher sollen besser vor der Pleite eines Anbieters geschützt werden. Das nötige Eigen- oder Risikokapital hängt in Zukunft nicht mehr allein vom Geschäftsvolumen ab, sondern von Höhe und Art der übernommenen Risiken – auf der Versicherungsseite und bei den Kapitalanlagen.

Nach dem Börsencrash ist die Sensibilität für die kapitalbezogenen Risiken der Lebensversicherer ohnehin gestiegen. Auch die jüngsten Naturkatastrophen und der Klimawandel haben den Blick geschärft. „Die Unternehmen müssen auf Kapitalmarktrisiken achten und ihre Anlagestrategie bewusst danach ausrichten“, sagt Hoffmann. Sie müssten entscheiden, wie viel Kapitalmarktrisiko sie halten wollen. „Es gibt auch Versicherer, die gar nicht mehr in Aktien investieren.“

Veränderte Investmentkultur

Die Versicherer achten deutlich mehr darauf, welche Risiken sie auf dem Kapitalmarkt eingehen, sagt auch Thorsten Neumann, Spezialist für Risikomanagement bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Das Unternehmen ist als Asset-Manager auch für Kapitalanlagen von Versicherern verantwortlich. „Die Investmentkultur hat sich geändert“, sagt Neumann. Die Versicherer würden deutlich mehr Vorgaben machen als früher. „Es geht nicht um Risikovermeidung, sondern um den bewussten Umgang mit Risiken.“ Mehr als fünf Prozent Ertrag zu erwirtschaften sei nicht möglich, ohne Risiken einzugehen.

Für die Bestimmung des erforderlichen Eigenkapitals müssen Versicherer viele Informationen aufbereiten und aus verschiedenen Systemen zusammenführen. „Datenflüsse müssen unternehmensweit betrachtet werden“, sagt Lutz Schiermeyer vom Softwarehersteller SAS Institute. Das Unternehmen stellt Software zur Berechnung des Risikokapitals her. Die Informationen für die Aufsicht können Versicherer auch für das Kerngeschäft nutzen. „Sie können zum Beispiel für zielgruppengerechtere Marketingkampagnen eingesetzt werden“, sagt Schiermeyer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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