VKB fordert einheitlicheren Auftritt

Versicherungskammer Bayern sieht LBB-Rolle als Modell für Sparkassenlager · Gespräch mit Chef Schubring-Giese

Von Herbert Fromme, München Die Übernahme der Landesbank Berlin (LBB) durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) könnte Vorbild für einen einheitlicheren Auftritt der öffentlichen Versicherer werden. „Im Sparkassenbereich sieht auch der DSGV durchaus übergreifende Geschäftsfelder“, sagte Friedrich Schubring-Giese, Vorstandschef der Versicherungskammer Bayern (VKB) im FTD-Interview. „Wenn in Berlin eine Konstellation herauskommt, in der bestimmte bundesweite Themen der Sparkassen über ein einzelnes Institut gelöst werden können, könnte das Vorbildcharakter für die Versicherer haben.“

Trotz mehrerer Fusionen in den vergangenen Jahren mangelt es an einem bundeseinheitlichen Marktauftritt der Sparkassenversicherer. DSGV-Präsident Heinrich Haasis hat deshalb die Chefs der öffentlichen Gesellschaften – darunter Provinzial, SV-Versicherung und Versicherungskammer – aufgefordert, noch 2007 Vorschläge für eine „andere Struktur“ zu machen.

Als erstes sei eine vernünftige Analyse nötig, sagte Schubring-Giese. „Wir haben ja einerseits im öffentlichen Lager sehr gut funktionierende Geschäftsmodelle, andererseits Versicherer, bei denen es nicht so gut läuft.“ Da müsse man nachfragen, warum das so sei. „Ein Grund könnte sein, dass manche öffentliche Versicherer den Vertrieb über die Sparkassen nicht so erschlossen haben wie andere“, sagte er. Die VKB vertreibt 70 Prozent ihrer Lebensversicherungen über die Sparkassen. Andere geben sich mit deutlich niedrigeren Zahlen zufrieden. „Dreh- und Angelpunkt muss sein, wie wir die Wettbewerbsfähigkeit der öffentlichen Versicherer und der Sparkassen als Finanzdienstleister stärken können und wie wir die Potenziale heben, die im Sparkassenvertrieb stecken.“

Der VKB-Chef forderte eine „Blaupause“ für die Entwicklung der öffentlichen Versicherer. „Wir organisieren Zusammenschlüsse und treffen auch sonst weit reichende Entscheidungen, aber keiner weiß, auf welche Zielstruktur hin das entwickelt wird.“

Ein mögliches Modell einer engeren Zusammenarbeit könnte eine verstärkte Blockbildung sein. Alternativ seien auch Kooperationslösungen auf Bundesebene möglich. Das funktioniere bei der Krankenversicherung, der betrieblichen Altersversorgung und der Industrieversicherung. „Wichtig ist, dass wir festlegen, welche Schritte wir gemeinsam gehen und welche Hausaufgaben zu machen sind.“ Eine Musterlösung für die öffentlichen Versicherer habe er nicht, betonte Schubring-Giese.

Von Vorschlägen, die Lebensversicherer des Sparkassenlagers in einem ersten Schritt zusammenzufassen, hält Schubring-Giese nicht viel. „Das lässt sich nicht herausziehen, das muss zusammen mit der Schaden- und Unfallversicherung behandelt werden.“

Für die VKB hat die LBB-Übernahme auch direkte Folgen. Ihr gehören 66 Prozent der Berliner Gesellschaft Feuersozietät, die sich mit 100 Mio. Euro am Kauf der Landesbank beteiligte. „Wir werden künftig der Versicherungspartner der Landesbank Berlin sein.“ Zur Zeit verkauft die Sparkasse in der Hauptstadt Policen ihres einstigen Aktionärs Gothaer.

Die öffentlichen Versicherer haben einen Marktanteil in Deutschland von 10,6 Prozent. Damit liegen sie auf dem zweiten Platz nach der Allianz mit 16,3 Prozent. Die VKB allein kommt mit 5,5 Mrd. Euro Prämieneinnahmen auf 3,5 Prozent und ist – obwohl nur in Bayern, der Pfalz, Berlin und im Saarland tätig – die Nummer neun im deutschen Markt. In Bayern ist die Versicherungskammer nach eigenen Angaben der klare Marktführer.

Zitat:

„Wichtig ist, dass wir festlegen, welche Schritte wir gemeinsam gehen“ – Friedrich Schubring-Giese, VKB-Chef –

Bild(er):

VKB-Chef Friedrich Schubring-Giese setzt auf die künftige Rolle der Landesbank Berlin für eine bessere Struktur der Sparkassenversicherer – FTD/Armin Brosch

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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