Hohes Preisniveau am Zweitmarkt

Die künftige Wertentwicklung von gebrauchten Schiffsbeteiligungen ist umstritten

Von Katrin Berkenkopf Die Preise für gebrauchte Schiffsbeteiligungen können sich für die Verkäufer sehen lassen: Im Durchschnitt erzielte eine Beteiligung im ersten Halbjahr 89,9 Prozent des Nominalkapitals, in der Spitze waren es sogar 184 Prozent, hat die Fondsbörse Deutschland in Hamburg errechnet. Ob es auf diesem Niveau weitergehen kann, ist umstritten. Das Emissionshaus Norddeutsche Vermögen prognostiziert noch höhere Werte, weil institutionelle Aufkäufer die Preise bislang niedrig gehalten hätten.

„Da ist überhaupt keine Blase“, sagt Thomas Böcher, Geschäftsführer der Norddeutschen Vermögen. „Bislang haben die Verkäufer oft zu günstig abgegeben.“ Das liege zum einen am Druck durch professionelle Käufer, die den Markt bislang dominieren, zum anderen an der noch immer unzureichenden Transparenz bei Wertermittlung und Kursbildung. Institutionelle Käufer, die auf verschiedenen Zweitmarkt-Plattformen Schiffsbeteiligungen erwerben, um daraus neue, sogenannte Zweitmarkt-Fonds zu bilden, hätten Rendite-Erwartungen von zwölf Prozent auf das eingesetzte Kapital. Diese ließen sich höchstens durch extrem günstige Kaufpreise erzielen.

Matthias Brinckman, Geschäftsführer der Maritim Invest Beteiligungsgesellschaft, widerspricht: Anbieter von Zweitmarkt-Fonds wie Maritim Invest würden solche Renditen nicht prognostizieren. „Die Preise sind hoch, weil die Nachfrage derzeit noch höher als das Angebot ist.“ Wer sich heute als privater Investor auf dem Zweitmarkt für geschlossene Fonds engagiere, gebe sich nicht mit geringeren Profitaussichten zufrieden als ein institutioneller Käufer, meint Brinckman.

Der Aufruf von Emissionshäusern an ihre Anleger, mit einem möglichen Verkauf noch zu warten, weil die Preise weiter steigen müssten, sieht er deshalb als Versuch, die Investoren zu halten.

Außerdem seien in den vergangenen zwei Jahren die Betriebskosten bei vielen Schiffsfonds um 50 Prozent gestiegen, gleichzeitig habe der schwächere Dollar zu niedrigeren Ausschüttungen geführt, erklärt Brinckman. In den Zweitmarkt-Preisen habe sich das nicht in gleichem Maße widergespiegelt.

„In den Preisvorstellungen sind natürlich immer Prognosen enthalten“, sagt Frank Heimsaat, Vorstandsmitglied von Zweitmarkt Plus, einer Tochter der Börse Berlin und der Fondsgruppe HTB. Er selbst geht davon aus, dass die Preise zumindest bis Jahresende tendenziell eher steigen.

Für Verkäufer sei die Schwelle von 100 Prozent Erlös auf das Nominalkapital der Beteiligung offenbar ein wichtiger psychologischer Faktor, hat er beobachtet. Dabei könne selbst ein Preis von 20 Prozent bei einem Fonds älterer Bauart, der praktisch ohne Eigenkapitaleinsatz auskam, hervorragend sein. „Es gibt die Bewertung eines Anteils und es gibt den Markt“, sagt Heimsaat. „Uns ist es jedenfalls recht, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, das belebt das Geschäft.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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