Öffentliche Versicherer basteln an einer Holding

Sparkassenlager will Kräfte besser bündeln

Von Herbert Fromme, Düsseldorf Für die Einrichtung einer gemeinsamen Holding der deutschen Sparkassenversicherer hat sich Heiko Winkler ausgesprochen, Vorsitzender des Verbandes öffentlicher Versicherer und Chef der Provinzial Nordwest. „Die Bündelung der Kräfte würde sicher helfen“, sagte er. Die Regionalität werde man niemals aufgeben, da sie eine große Stärke ausmache. Aber viele Aufgaben könnten die öffentlichen Versicherer gemeinsam effizienter lösen, „wenn man das gut macht“. Dazu zählte Winkler die bessere Nutzung des Eigenkapitals, die IT und das Kapitalanlagemanagement.

Die zum Sparkassenlager gehörenden Versicherer – darunter die Versicherungskammer Bayern, Provinzial sowie die SV Versicherung – arbeiten nach dem Regionalprinzip. Zwar gab es schon mehrere Fusionen und es bestehen Kooperationen in zahlreichen Feldern, dennoch treten die Sparkassen im Versicherungsmarkt zersplittert auf. Zusammen genommen wären sie mit 16,5 Mrd. Euro Prämieneinnahmen im Jahr 2006 nach der Allianz die zweitgrößte Versicherungsgruppe in Deutschland.

Der Marktanteil stagniert derzeit allerdings bei 10,5 Prozent. Und das trotz eines Trends zum Bankenvertrieb, der den öffentlichen Versicherern eigentlich nutzen sollte. Deswegen macht die Spitze der Sparkassen Druck. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, verlangte Ende 2006 von den Chefs der Sparkassenversicherer eine andere Struktur.

„Wir haben diesen Arbeitsauftrag angenommen und hatten eine sehr offene Diskussion“, sagte Winkler. Dabei habe sich herausgestellt, dass es zwei Lager gebe – einerseits die Anhänger des Regionalmodells, andererseits Gruppen mit einem multiregionalen Ansatz. Dazu zählte er die Schwergewichte Versicherungskammer Bayern, SV Versicherung Stuttgart und Provinzial Nordwest.

Zum Zeitplan für die Schaffung einer möglichen Holding wollte Winkler nichts sagen. Das hänge von den Eignern ab. Dort gebe es auch standort-, sparkassen- und landespolitische Überlegungen.

In einzelnen Feldern gehen die Gesellschaften bereits gemeinsam nach vorn. Dazu gehört die betriebliche Altersversorgung, in der die neue Sparkassen Pensionsberatung Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern beraten soll. Den Marktanteil in der betrieblichen Altersversorgung will die Gruppe von heute 7,5 Prozent auf 20 Prozent steigern. Ebenfalls zusammenlegen wollen die Gesellschaften die beiden Zeichnungsgemeinschaften in der Industrieversicherung für Nord- und Süddeutschland.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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