Steuer treibt Gewinne der Versicherer

Ratingagentur Fitch sieht negativen Gesamttrend

Von Herbert Fromme, Köln Die Gewinne der deutschen Schaden- und Unfallversicherer beruhen nach Angaben der Ratingagentur Fitch im Jahr 2006 wesentlich auf steuerlichen Einmaleffekten. Im Grunde habe es eine Erosion der Gewinne im eigentlichen Versicherungsgeschäft gegeben, so Fitch-Analyst Tim Ockenga.

Die Schaden- und Unfallversicherung umfasst Auto-, Gebäude-, Haftpflicht-, und Unfalldeckungen und trug 2006 weit überproportional zum hohen Gesamtgewinn der Branche bei. Gleichzeitig tobt aber in der Branche ein Preiskrieg um die Autoversicherungskunden.

2006 mussten die Versicherer ihre Steuerguthaben aktivieren und damit als Gewinn ausweisen, so Fitch. Grund sei die gesetzliche Änderung des Anrechnungsverfahrens. Dieser Einmaleffekt machte je nach Gesellschaft zwischen acht Prozent und 55 Prozent der Nettogewinne aus, im Schnitt 25 Prozent, hat Fitch errechnet. Allein für die drei deutschen Marktführer habe es sich um 878 Mio. Euro gehandelt.

Dieser Sondereffekt konnte die Verschlechterung in der versicherungstechnischen Rechnung auffangen, so Fitch. Er werde sich 2007 aber nicht wiederholen. Die Verschlechterung der Profitabilität werde vor allem vom Preisverfall in der Autoversicherung getrieben. Deshalb erwartet die Agentur für das laufende Jahr eine Schaden- und Kostenquote von 107 Prozent für das Autogeschäft – pro eingenommenen Prämien-Euro müssten die Versicherer 1,07 Euro für Schäden, Verwaltungs- und Vertriebskosten ausgeben.

Laut dem Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft waren es 2006 nur 99 Prozent. Allerdings verbucht die Branche gerade in der Autoversicherung sehr hohe Kapitalerträge, die sich positiv auswirken. Für das gesamte Schaden- und Unfallsegment erwartet Fitch 2007 eine Quote von 97 Prozent bis 100 Prozent, laut GDV waren es 2006 nur 93 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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