Talanx sichert sich Postbank-Vertrieb

Versicherer sieht hohen Kaufpreis für Lebensversicherer durch lange Kooperation gerechtfertigt

Von Herbert Fromme, Köln, und Reinhard Hönighaus, Frankfurt Die Postbank hat ihre Versicherer für 550 Mio. Euro an den Hannoveraner Assekuranzkonzern Talanx verkauft. Der Versicherungs- und Vorsorgemarkt stehe vor einer Konsolidierung, sagte der seit Anfang Juli amtierende Postbank-Chef Wolfgang Klein gestern in Köln. Die beiden Postbank-Töchter hätten dafür auch zusammen nicht die kritische Größe gehabt. Durch den Verkauf erzielt die Postbank mehr als 100 Mio. Euro außerordentlichen Gewinn.

Talanx übernimmt die BHW Lebensversicherung in Hameln sowie den 50-Prozent-Anteil der Postbank an den bisherigen Gemeinschaftsunternehmen PB Leben und PB Sach. Beide Seiten haben zugleich ein über 15 Jahre laufendes Vertriebsabkommen für die Lebens- und Unfallversicherung abgeschlossen. Funktionierende Vertriebswege – gerade bei Banken – haben einen hohen Wert für Versicherer: Der Anteil der Banken am Verkauf von Lebenspolicen steigt rapide an.

Dennoch gilt der Preis in Branchenkreisen als „ambitioniert“. Nach Angaben von Experten haben die beiden vergleichsweise jungen Gesellschaften einen inneren Wert („Embedded Value“) von etwa 220 Mio. Euro. Damit hätte Talanx das 2,5-Fache des Embedded Value gezahlt. Der hohe Preis sei durch das langfristige Kooperationsabkommen gerechtfertigt, hieß es bei Talanx. „Wir haben unsere Kooperation mit der Postbank abgesichert“, sagte Talanx-Chef Herbert Haas.

Stark an BHW Leben interessiert war auch die zur Münchener Rück gehörende Ergo-Gruppe. Auf vergleichbarer Basis habe Ergo aber rund 100 Mio. Euro weniger geboten, erklärten Postbank-Experten. Die Münchener Rück bestätigte nur, dass der Konzern Interesse gezeigt habe. „Wir wollen aber nur profitabel wachsen“, sagte ein Sprecher.

Talanx-Chef Haas sagte, eine strategische Übernahme wie diese sei eine Voraussetzung für den seit Langem geplanten Börsengang des Konzerns, der jetzt einem Versicherungsverein gehört. „Der Börsengang wird früher kommen, als wir das vielleicht ursprünglich gedacht haben.“ Den Kaufpreis zahlt Talanx aus einer Kreditlinie von 1,5 Mrd. Euro bei einem Bankenkonsortium.

Talanx wird BHW Leben in seine Abteilung Bank- und Postkooperation einbringen. Der Name wird geändert und soll künftig die Buchstaben „PB“ enthalten. Zu der Abteilung gehören bereits die PB Leben, die mit der Citibank kooperierende CiV Versicherung und die Neue Leben, die mit Sparkassen arbeitet. Umzugspläne von Hameln nach Hilden, wo PB und CiV sitzen, gebe es nicht, sagte Talanx-Vorstand Norbert Kox. Die Garantie für 103 BHW-Leben-Vollzeitstellen in Hameln wurde bis Ende 2009 verlängert. Zusammen kamen BHW Leben und PB Leben 2006 auf 590 Mio. Euro Prämie, Kox will das bis 2010 auf 827 Mio. Euro steigern.

Die Postbank will nur noch in jenen Feldern selbst als Produzent auftreten, in denen sie kostengünstig durch Größenvorteile arbeiten kann, etwa bei Giro- und Sparkonten sowie Baufinanzierung. „Vor allem aber konzentrieren wir uns auf den nachhaltigen Ausbau unserer Vertriebsstärke und die Intensivierung unserer Kundenkenntnis“, sagte Klein. Trotz der Übernahme der wichtigsten Filialen von der Post und des Baufinanzierers BHW 2006 für insgesamt 2,8 Mrd. Euro schöpft die Postbank ihr Vertriebspotenzial als größte deutsche Filialbank mit fast 15 Millionen Kunden bisher bei Weitem nicht aus.

Zitat:

„Wir haben die Kooperation abgesichert“ – Talanx-ChefHerbert Haas –

Bild(er):

Postbank-Chef Wolfgang Klein und Talanx-Vorsitzender Herbert Haas (r.) freuen sich über den Millionendeal, der eine Vertriebspartnerschaft für 15 Jahre begründet – Modusphoto.com/Jardai

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit