WestLB-Chef will um Posten kämpfen

Fischer sucht auf Krisentreffen Konfrontation mit Aufsichtsrat

Von tim bartz, Sven Clausen, Matthias Ruch, hamburg,und Herbert Fromme, Köln Der WestLB droht heute auf ihrer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung eine massive Konfrontation zwischen Vorstand und Kontrollgremium. Der angeschlagene Vorstandschef Thomas Fischer werde um sein Amt kämpfen, hieß es gestern in seinem Umfeld. Fischer könne von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhobene Vorwürfe entkräften und belegen, dass der Vorstand den Aufsichtsrat stets über die Risikolage aus riskanten Eigenhandelsgeschäften informiert habe.

Aufsichtsratschef Rolf Gerlach hatte das Treffen kurzfristig auf Druck der BaFin einberufen. Vorausgegangen waren Fehlspekulationen im Aktienhandel, bei denen der WestLB nach eigenen Angaben ein Schaden von mindestens 243 Mio. Euro entstanden ist. BaFin-Präsident Jochen Sanio will nach Informationen der FTD persönlich an der Sitzung teilnehmen.

Positives Attest für den Vorstand

Rückendeckung erhält Fischer von Dietrich Rümker, bis Ende 2006 im Aufsichtsrat und Vorsitzender in dessen Risikoausschuss. In einem Brief an Risikovorstand Matthijs van den Adel, der der FTD vorliegt, schreibt Rümker, dass „sich die Risikolage (…) immer im grünen Bereich bewegte und keinen Anlass zur Beunruhigung gab“. Zudem bescheinigte Rümker dem Vorstand, er habe sich „angemessen über die Entwicklung des Marktpreisrisikos in den Sitzungen des Risikoausschusses unterrichtet gefühlt“.

Damit wankt die Argumentation der BaFin, die dem Vorstand vorwirft, dem Aufsichtsrat im Juni 2006 wesentliche Informationen zu Wetten auf Kursdifferenzen zwischen Stamm- und Vorzugsaktien von VW, BMW und Metro vorenthalten zu haben. Mit seiner Strategie bringt Fischer außerdem den Aufsichtsrat in Erklärungsnot: Sollte dieser von den Geschäften gewusst haben, wäre er mitverantwortlich für das Desaster.

Nachfolgekandidat Schröder

Die WestLB hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach mit Verlusten aus riskanten Geschäften zu kämpfen. So war der damalige Vorstandschef Jürgen Sengera im Juni 2003 zurückgetreten, nachdem ihm die BaFin im Zuge einer Sonderprüfung attestiert hatte, Risiken aus den hohen Verlusten einer Londoner Tochter mangelhaft kontrolliert zu haben.

Ungeachtet des Ausgangs der heutigen Sitzung wird bereits nach einem Nachfolger für Fischer gesucht. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Ulrich Schröder, der derzeit die NRW-Bank führt, die seit der Abspaltung von der WestLB die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen ist. WestLB-Eigengewächs Schröder sei ein gestandener Banker, der die Niederlassung Paris exzellent geleitet habe, heißt es von hochrangigen Personen in der Bank. Auch bei der CDU/FDP-Landesregierung genieße er höchstes Vertrauen. Zudem spreche für ihn, dass er als CDU-nah gilt.

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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