Münchener-Rück-Chef bittet um Geduld

Nikolaus von Bomhard deutet höhere Aktienrückkäufe an als geplant · Umbauprogramm soll mittelfristig wirken

Von Herbert Fromme, Steffen Klusmann und Ina Lockhart, Hamburg Die Münchener Rück zahlt in den kommenden drei Jahren möglicherweise mehr als die geplanten 8 Mrd.Euro in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Anteilseigner aus. „Wenn wir die Ausschüttungsfähigkeit im Griff behalten, wenn die Ratingagenturen mitziehen und wir das Gewinnniveau halten können, dann kann das auch mehr sein“, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard im FTD-Interview. Im Mai hatte der weltweit zweitgrößte Rückversicherer angekündigt, bis 2010 rund 5 Mrd.Euro über Aktienrückkäufe und 3 Mrd.Euro als Dividende auszuschütten.

Für 2006 hatte die Münchener Rück einen Rekordgewinn von 3,5 Mrd.Euro vorgelegt. Der Konzern erwartet auch in den kommenden Jahren hohe Profite. „Wenn man ordentlich verdient und diese Erträge nicht einsetzen kann für die Geschäftsausweitung, dann sollte man das Kapital zurückgeben“, sagte von Bomhard. Gleichzeitig bat er Anleger um Geduld. Es dauere eine Zeit, bis sich das von ihm initiierte Umbauprogramm „Changing Gear“ („die Gangart wechseln“) in konkreten Geschäftserfolgen niederschlage.

Von Bomhards Problem: Der Aktienkurs dümpelt. Das Papier schloss gestern mit 126,8 Euro um 1,8 Prozent fester. Vor sieben Jahren, als der Dax auf ähnlichem Niveau wie heute stand, kostete es noch 371,9 Euro.

„Beides war falsch. Damals war der Kurs zu hoch, heute ist er zu tief“, sagte von Bomhard. Die gesamte Assekuranz sei durch eine Reihe von Faktoren benachteiligt in der Konkurrenz um Anlegergelder. So dürften die Banken mit deutlich weniger Eigenkapital ähnlich große Risiken wie die Versicherer tragen. Die Assekuranz hoffe darauf, mit den von der EU geplanten Regeln für das Eigenkapital gleichziehen zu können, die unter dem Stichwort Solvency II laufen. „Das ist eine strategisch enorm wichtige Frage“, sagte von Bomhard. Dann würden auch die hohen Anforderungen der Ratingagenturen an die Eigenkapitalausstattung der Versicherer reduziert. Von Bomhard gesteht aber auch hausgemachte Probleme ein: „Die Rückversicherer haben sehr viel Vertrauen verspielt in der Vergangenheit und sind jetzt erst dabei, das wieder aufzubauen.“

Er werde am Prinzip „Gewinn vor Wachstum“ festhalten, sagte der Münchener-Rück-Chef. „Wer Umsatzwachstum zum erklärten Ziel macht und in der Rückversicherung Marktanteile um der Marktanteile willen gewinnen will, geht ins Verderben“, sagte er. Die Preise gingen nach unten. „Sie sind keineswegs im freien Fall, aber sie rutschen.“ Allerdings seien sie noch auskömmlich.

Der niedrige Aktienkurs führt immer wieder zu Spekulationen darüber, dass die Münchener Rück von Hedge-Fonds angegriffen werden könnte. Von Bomhard schätzt, dass Hedge-Fonds heute zehn Prozent bis 15 Prozent halten. „Als Manager muss einen das nicht gleich in die größte Unruhe versetzen“, sagte er. „Es sind Aktionäre, und wir wollen ja das machen, was die heutigen und künftigen Aktionäre zufriedenstellt.“

Forderungen von Analysten, die Münchener Rück solle den Erstversicherer Ergo verkaufen oder separat an die Börse bringen, lehnt von Bomhard ab. „Gibt es einen besseren Eigner für Ergo, und macht eine solche Trennung Sinn für die Aktionäre? Beide Fragen verneinen wir.“ Vorwürfe, die Münchener Rück habe die Victoria-Gruppe – einen Teil Ergos – herabgewirtschaftet, wies von Bomhard zurück. „Ergo einschließlich Victoria ist einer der profitabelsten Versicherungskonzerne.“

Mit dem Programm „Changing Gear“ wolle die Münchener Rück Wachstum in profitablen Geschäftsfeldern fördern und die Kundenorientierung der Mitarbeiter stärken, sagte er. In der Vergangenheit habe man den Experten aus Vertrieb und Risikobewertung viele Verwaltungsaufgaben aufgebürdet. „Wir wollten am Ende die eierlegende Wollmilchsau“, sagte er. „Irgendwann geht dann gar nichts mehr.“ Deshalb habe man die Arbeiten fokussieren müssen. Rund 100 bis 200 Mitarbeiter bekommen andere Aufgaben. Einen Stellenabbau soll es nicht geben.

Zitat:

„Damals war der Kurs zu hoch, heute zu niedrig“

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www.ftd.de/versicherer

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Münchener Rück strukturiert um

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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