Ohio verklagt Makler Marsh und Versicherer

Generalstaatsanwalt verlangt höhere Entschädigungen

Von Herbert Fromme, Köln Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Ohio hat den weltgrößten Versicherungsmakler Marsh sowie führende Versicherer verklagt. Staatsanwalt Marc Dann verlangt von Marsh, AIG, Ace, Chubb und Hartford Financial eine Millionenentschädigung wegen illegaler Preisabsprachen in den Jahren 2001 bis 2004.

In der 44-seitigen Klageschrift listet Dann zahlreiche Beispiele für Absprachen zwischen Versicherern mithilfe des Maklerunternehmens auf. So habe AIG ein Angebot von 150 000 $ für eine Gewerbepolice eines Kunden in Ohio abgegeben, damit ein Angebot des Versicherers Chubb über 140 000 $ günstig wirkte. Marsh habe solche Absprachen arrangiert. Dieses System war schon 2004 durch Untersuchungen des damaligen New Yorker Generalstaatsanwalts und heutigen Gouverneurs Eliot Spitzer ans Licht gekommen. Im Jahr 2005 stimmte Marsh einer Zahlung von 850 Mio. $ für geschädigte Kunden in den gesamten USA zu. AIG, Ace, Chubb, Hartford und andere zahlten kleinere Summen.

Ohios Generalstaatsanwalt glaubt, dass betroffene Unternehmen und Behörden in seinem Bundesstaat nicht ausreichend entschädigt wurden. Nach Angaben von Marsh erhielten sie insgesamt 35 Mio. $. „Marsh hat bereits Ansprüche von Kunden beglichen, und wir werden sehr energisch gegen diese neuerlichen Anschuldigungen vorgehen“, sagte ein Marsh-Sprecher in New York. „Der Leiter der Anti-Kartellbehörde im Büro des Generalstaatsanwalts von Ohio hat das Marsh-Angebot damals akzeptiert“, sagte der Sprecher. Zwei Jahre später scheine dasselbe Büro von dieser Vereinbarung nichts mehr wissen zu wollen.

Die erneuten Vorwürfe kommen in einem äußerst ungünstigen Moment für das Maklerunternehmen. Der inzwischen drei Jahre alte Skandal hat zu einem Umbau des Geschäftsmodells geführt. Unter anderem hat Marsh, wie auch der Konkurrent Aon, den Kunden vollständige Transparenz über Provisionseinnahmen von den Versicherern zugesagt. Als Folge optieren viele Kunden für pauschal bezahlte Beratungsverträge. Die Folge sind drastische Einnahmerückgänge.

Die Marsh-Aktie kam gestern erneut unter Druck und verlor in der Spitze bis zu 2,5 Prozent. Mit 26,20 $ wird das Papier 49 Prozent unter dem Preis von Februar 2004 gehandelt – vor dem Skandal.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit