Swiss Re bricht Leben-Geschäft weg

Unerwartet hohe Sterblichkeit reicher Amerikaner schadet weltgrößtem Rückversicherer

Von Anja Krüger, Köln Der weltgrößte Rückversicherer Swiss Re hat im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Einbruch des operativen Ergebnisses im Leben-Geschäft um 30 Prozent auf 335 Mio. Franken verzeichnet. Verantwortlich dafür seien überraschende Schwankungen in der US-Sterblichkeitsrate, teilte das Unternehmen mit. Unerwartet viele wohlhabende Amerikaner seien gestorben.

Rückversicherer sind Großhändler von Risiken. Sie übernehmen einen Teil des Risikos von Erstversicherern, die in direktem Kontakt zu Verbrauchern und Industriekunden stehen. Swiss Re hatte mit der Übernahme des fünftgrößten Rückversicherers GE Insurance Solutions für 7,4 Mrd. $ 2006 die Münchener Rück als Weltmarktführer verdrängt. Im zweiten Quartal steigerte Swiss Re ihren Gesamtgewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 1,19 Mrd. Franken. In den ersten drei Monaten des Jahres war der Gewinn um 54 Prozent auf 1,33 Mrd. Franken gewachsen. Die Aktie legte leicht um 1,7 Prozent auf 102,70 Franken zu.

„Der Ausblick für das restliche Jahr bleibt gut, vorausgesetzt wir haben eine durchschnittliche Belastung durch Naturkatastrophen“, sagte Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain. Am Montag hatte Konkurrent Münchener Rück seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr von 3,0 Mrd. bis 3,2 Mrd. Euro auf 3,5 Mrd. bis 3,8 Mrd. Euro angehoben. Swiss Re will mit Hinweis auf die üblicherweise in der zweiten Jahreshälfte auftretenden Naturkatastrophen wie Hurrikans keine Vorschau auf das Gesamtjahr abgeben.

Die Prämieneinnahmen der Swiss Re stiegen im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 7,96 Mrd. Franken. Das Wachstum geht zu großen Teilen auf die Konsolidierung der GE Insurance Solutions zurück. Swiss Re konnte im Nicht-Leben-Geschäft die Profitabilität erhöhen. Die Schaden-Kosten-Quote sank um mehr als drei Prozentpunkte auf 90,7 Prozent. Sie gibt an, wie viele Rappen der Versicherer von einen eingenommenen Prämien-Franken ausgibt.

Bislang hat Swiss Re nur geringfügig unter Großschäden gelitten. Der Rückversicherer erwartet Schadenbelastungen durch Naturkatastrophen von 1,21 Mrd. Franken für das gesamte Jahr bei Prämieneinnahmen von 1,91 Mrd. Franken. Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen in diesem Segment bei 1,77 Mrd. Franken, die Schäden bei 1,09 Mrd. Franken. Bislang ist für den Rückversicherer Wintersturm „Kyrill“ mit 230 Mio. Franken der in diesem Jahr teuerste Schaden.

Die durch zweitklassige US-Darlehen (Subprime) ausgelösten Krise auf dem Markt für Hypothekenkredite trifft Swiss Re nach eigenen Angaben nicht. Die Kapitalanlagen belaufen sich auf 190 Mrd. Franken, wovon nur 0,26 Prozent auf Subprime-Anlagen entfallen. Diese Anlagen seien erst erworben worden, nachdem die Preise aufgrund der Krise bereits gesunken seien.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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