Allianz schafft Chefposten für Mittleren Osten

Bisheriger Indienchef Sam Ghosh soll Geschäft in der Region vorantreiben · Versicherungskonzern hofft auf starkes Wachstum

Von Herbert Fromme, Köln D er Allianz-Manager Sam Ghosh leitet künftig die Geschäfte des Versicherungskonzerns im Mittleren Osten. Ghosh trete zum 1. Oktober seinen Posten als erster Chief Executive für die Region an, teilte die Allianz gestern mit. Von Sri Lanka über Indien und Pakistan bis Ägypten reicht sein Verantwortungsbereich. Dienstsitz ist Bahrain.

Konzernchef Michael Diekmann hat den Mittleren Osten zur dritten Wachstumsregion des Konzerns erklärt – neben Asien-Pazifik und Osteuropa, im Konzerndeutsch „New Europe“. Auch von dort konnte der Konzern Neuigkeiten melden. In Kasachstan hat die Allianz von der Unicredit-Tochter Bank Austria das Unternehmen ATF Polis übernommen. Es ist mit Prämieneinnahmen von 42 Mio. $ eine der fünf größten Versicherungsgesellschaften des Landes und vertreibt Policen über die ATF-Bank.

Der 48-jährige Ghosh gilt im Allianz-Konzern als Hoffnungsträger. Der bisherige Indienchef brachte das Geschäft in dem Land erfolgreich voran. Als er 2004 die Führung der indischen Gesellschaft Bajaj Allianz Life übernahm, besorgte er sich eine Liste aller mittelgroßen Städte, in denen kein anderer privater Lebensversicherer tätig war – wohl aber die staatliche Gesellschaft Life Insurance Corporation (LIC) mit mindestens zwei Büros. „Wir waren ganz sicher, das LIC in keiner Stadt zwei Niederlassungen hat, in der es nicht ausreichend Geschäft gibt“, sagte Ghosh später. Die Strategie ging auf, nach einem Jahr hatte das Unternehmen 250 seiner damals 550 Niederlassungen in Städten, in denen es keine private Konkurrenz gab. 2007 heuerte Ghosh in einer erheblichen Kraftanstrengung 40 000 Vertreter für die Staaten Maharashtra, Andhra Pradesh und Uttar Pradesh an.

Unter Ghosh hat sich die Gesellschaft von einem eher unbedeutenden Mitspieler in einen der beiden führenden privaten Lebensversicherer des Landes verwandelt. Wie in den meisten Wachstumsmärkten ist auch in Indien die Lebensversicherung vor allem ein Mittel für Menschen mit mittlerem Einkommen, sich am Kapitalmarkt zu beteiligen. Immer wieder kommt es daher zu Streit mit der Finanzaufsicht. So verbot die indische Aufsicht im August bestimmte Policen als zu intransparent.

Trotzdem boomt das Geschäft. Für 2007 erwartet die Allianz in Indien Prämieneinnahmen von 1,7 Mrd. Euro. Aber der Boom hat seine Schattenseiten. Konkurrenten ködern Angestellte und Vertreter mit höheren Einkommen, nicht selten wechselt in einem Jahr die Hälfte der Mitarbeiter. Es ist Ghoshs Verdienst, die indische Allianz-Gruppe – ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Mopedhersteller Bajaj – dennoch stabilisiert zu haben.

Der australische Staatbürger Ghosh kam 1998 durch die Übernahme der australischen Gesellschaft MMI zum Allianz-Konzern. Bevor er Landeschef wurde, führte er zunächst die Schaden- und Unfallgesellschaft in Indien, dann den Lebensversicherer.

Bild(er):

Ist australischer Staatsbürger: Sam Ghosh

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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