Brüssel fordert Transparenz der Makler

EU-Kommisson legt Abschlussbericht zur Assekuranz vor · Besorgnis über gleiche Preise in der Mitversicherung

VON Herbert Fromme, Köln,und Christine Mai, Brüssel Die EU-Kommission hat von den Versicherungsmaklern mehr Transparenz gegenüber ihren Geschäftskunden verlangt. Vor allem die Vergütung der Makler über Provisionen sei oft nicht durchsichtig, es gebe Interessenkonflikte zwischen Beratung und Verkauf, bemängelte die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Kommission hatte in einer Sektorenuntersuchung seit 2005 die Versicherung von Unternehmen durchleuchtet und gestern den Abschlussbericht vorgelegt. Das Transparenzproblem will die EU bei der Überarbeitung ihrer Vermittlerrichtlinie aufgreifen.

Ganz aktuelle Bedeutung hat die Stellungnahme der EU im Londoner Versicherungsmarkt. Dort wollen die Großmakler Marsh und Willis von den Versicherern eine Dienstleistungszusatzprovision von 2,5 Prozent der Prämien erhe ben. Vor zwei Jahren mussten sie im Gefolge eines großen Skandals in den USA weltweit umsatzbezogene Sonderprovisionen aufgeben und erlitten deutliche Umsatzeinbrüche. Große Versicherer erklärten in London, jede Zusatzprovision müsse von den Endkunden getragen werden, die darüber auch vollständig und transparent unterrichtet würden.

Besorgt äußerte sich EU-Kommissarin Kroes gestern auch über bestimmte Praktiken in der Mitversicherung, bei der mehrere Versicherer gemeinsam ein großes Risiko – etwa eine Maschinenfabrik, ein Pharmahaftpflichtrisiko oder eine Autoflotte – übernehmen. „Dabei werden die Verträge zu gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer abgeschlossen. Besonders besorgniserregend ist, dass dies auch für die Prämienhöhe gilt“, erklärte die Brüsseler Behörde. Konkrete Maßnahmen kündigte Kroes aber nicht an. Sie forderte die Versicherer auf, sich zu bewegen. „Die Kommission ermutigt die Branche, die betreffenden Praktiken entweder unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten zu rechtfertigen oder sie zu ändern“, erklärte die Brüsseler Behörde. Dasselbe gelte für die Konsortien von Rückversicherern.

Mit der Forderung nach unterschiedlichen Preisen innerhalb eines Konsortiums findet die Kommission bei einigen Versicherern Beifall. So fordert die Münchener Rück seit Langem, dass sie wegen ihres hohen Ratings und des guten Services mehr bekommt als ein Konkurrent, der sich an das Geschäft nur anhängt. Die Kommission will den Markt weiter genau beobachten. Auch ein Eingreifen schließt sie nicht aus, kritisiert das Instrument der Mitversicherung aber nicht prinzipiell. Manche Großunternehmen hatten genau das befürchtet, dann wäre es für sie schwerer geworden, Versicherungsschutz einzukaufen. „Wir begrüßen, dass die Kommission die Mitversicherung im Grundsatz nicht infrage stellt“, sagte Günter Schlicht, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes, in dem die Industrie ihre Versicherungsinteressen bündelt.

Über eine Verlängerung der Ende März 2010 auslaufenden Gruppenfreistellungsverordnung für Versicherer hat Kroes noch nicht entschieden. Gruppenfreistellungsverordnungen erlauben Formen der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, die das EU-Wettbewerbsrecht eigentlich nicht zulässt. „Davon muss die Kommission erst noch überzeugt werden“, hieß es. Entscheiden will Brüssel erst im März 2009.

www.ftd.de/assekuranz

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Geschäftspraktiken unter der Lupe

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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