Fachkräfte bleiben, Versicherer kommen

Deutsche und internationale Gesellschaften siedeln sich neu in Köln an. Hier finden sie erfahrene Leute, die nach Gerlings Übernahme durch Talanx nicht nach Hannover wechseln wollen dsfgsd fs

VON Herbert Fromme Die Trendwende für den Versicherungsstandort Köln wurde ausgerechnet in München bekanntgegeben. Am 25. Juni 2007 bestätigte die Münchener Rückversicherung, dass sie im November eine neue Tochtergesellschaft für Transport-, Luftfahrt- und Gruppenunfallversicherung gründen wird. Standort: Köln. Zwar wird die Neugründung zunächst nur 40 Mitarbeiter haben. Dennoch hat die Branche die Nachricht verstanden. Köln ist als Versicherungsstandort wieder attraktiv, vor allem wenn es um Industrie- und Gewerbeversicherungen geht.

Die Münchener Rück blieb nicht lange allein als Gründer. Die auf Bermuda ansässige Rückversicherungsgruppe Glacier Re sucht einen Zugang zum immer noch lukrativen Industrieversicherungsmarkt. Glacier Insurance heißt die Tochter, die mit den Siemens und ThyssenKrupps dieser Welt Geschäfte machen soll. Hauptsitz ist Zug in der Schweiz, aber der Schwerpunkt der operativen Arbeit ist Köln. „Wir werden in Deutschland rasch wachsen“, sagt Glacier-Re-Chef Robbie Klaus.

Die japanische Mitsui Sumitomo, die Anfang 2007 mit der Niederlassung ihrer Europatochter auf den deutschen Markt kam, wählte zunächst Düsseldorf als Sitz. Im August verkündete Deutschlandchef Reiner Gleiss vor Kunden im Kölner Hotel Hyatt den Umzug in die Domstadt. Schon vorher hatte der spanische Marktführer Mapfre ein Büro in Köln eröffnet, aus dem er Industriedeckungen für spanische und deutsche Unternehmen anbietet.

Ebenfalls im Aufbau ist die deutsche Filiale der britischen Admiral-Gruppe. Das Unternehmen verkauft Autoversicherungen per Internet und Telefon. Enge Geschäftsbeziehungen unterhält der Newcomer zur Münchener Rück. Das börsennotierte Unternehmen ist in nur 14 Jahren zum drittgrößten Autoversicherer Großbritanniens aufgestiegen. Schon im Mai 2006 hatte der US-Konzern AIG eine Niederlassung seiner irischen Lebensversicherung AIG Life von Frankfurt nach Köln verlegt. Auch der französische Rückversicherer Scor zog mit seiner deutschen Niederlassung von Hannover nach Köln. Dort hatte das Unternehmen 2006 den Lebens-Rückversicherer Revios erworben. Lange nach der Entscheidung, von Hannover nach Köln zu gehen, kaufte Scor auch den Schweizer Rivalen Converium – dessen deutsche Tochter schon in Köln sitzt.

Die Versicherer drängen nicht wegen Kölsch, Karneval oder der Lebensqualität in die Stadt. Den Hauptgrund liefert ein für die Stadt eigentlich trauriges Ereignis: das Ende des Gerling-Konzerns als selbstständiges Unternehmen. 2006 wurde Gerling vom Rivalen Talanx-HDI übernommen. Der neue Gigant macht Nägel mit Köpfen. Die Schaden- und Unfallversicherung wird in Hannover zentralisiert, die Lebensversicherung in Köln. Netto verliert der Standort rund 500 Arbeitsplätze, 2400 bleiben. So hat er plötzlich zahlreiche ausgezeichnete Fachleute zu bieten, die zwar in der Industrie-, Auto-, Feuer- oder Gebäudeversicherung arbeiten wollen, aber nicht von Hannover aus.

Die Entscheidung des Hannoveraner Talanx-Managements gegen Köln war eine Art Urknall für den neuen Versicherungsstandort. Mapfre, Mitsui Sumitomo, die neue Münchener-Rück-Tochter – alle werden von Ex-Gerling-Fachleuten geführt. Auch bei den anderen Neuansiedlern spielen Ex-Gerling-Mitarbeiter eine wichtige Rolle, bei Scor mit der Lebens-Tochter Revios ohnehin.

Ein weiterer Standortvorteil: Die Universität Köln mit ihrem Lehrstuhl für Versicherungslehre und die Fachhochschule mit dem Institut für Versicherungswesen liefern fähigen Nachwuchs.

In der Arbeitsplatzstatistik dürfte es dennoch 2007 und 2008 einen Knick geben. Denn nicht nur die Gerling-Stellen fallen weg, auch die Allianz hat bei ihrem Generalumbau den Standort Köln extrem verkleinert. Von den einmal 1130 Vollzeitstellen sollen nur 450 bleiben.

Das kann rein mengenmäßig der Umzug des AMB-Generali-Konzerns aus Aachen nach Köln nicht ausgleichen. Denn die von der Triester Generali kontrollierte Gruppe verlegt nur die Konzernholding mit etwa 250 Mitarbeitern Richtung Osten.

Ende 2006 beschäftigten Versicherer, Makler und Vertriebe 26 450 Arbeitnehmer in Köln, damit lag die Stadt gleichauf mit München, dort arbeiteten 26 670. Im Vergleich zum Vorjahr hatte München sogar mehr Stellen verloren als Köln, dort ging die Zahl um 4,2 Prozent zurück, in Köln nur um 2,3 Prozent. Wenn aber die Gerling- und Allianz-Umstrukturierungen voll greifen, wird das auch den Abbau in Köln beschleunigen.

Da können die im Großen und Ganzen recht stabilen Verhältnisse bei den übrigen Kölner Versicherern nichts ändern. Dazu gehören die deutsche Axa, die Versicherungsvereine Gothaer und DEVK, die Krankenversicherer DKV und Central sowie der Rückversicherer Gen Re/Kölnische Rück.

Zitat:

“ „Wir werden in Deutschland rasch wachsen“ “ – Glacier-Re-Chef Robbie Klaus –

Bild(er):

Der Versicherungsstandort Köln erlebt einen regen Umbau, wie unsere Fotomontage zeigt: An Baukränen hängen Namenschilder der japanischen Mitsui Sumitomo und der spanischen Mapfre. Der Versicherer AMB Generali verlegt seinen Konzernsitz von Aachen nach Köln. Die Axa zählt wie die Gothaer, DKV und DEVK zu den Versicherern, die schon lange am zweitgrößten Standort des Landes sitzen – Bilderbox/Erwin Wodicka; Corbis; FTD-Montage

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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