Zusammenwäre man weniger allein

Köln und Düsseldorf – das ist der ewige Streit zwischen Alaaf und Helau, zwischen Kölsch und Altbier. Es ist aber auch eine Serie gescheiterter Kooperationsversuche. Weil das Ruhrgebiet wiedererstarkt, dringt die Wirtschaft auf einen neuen Annäherungsversuch dsfgsd fs

VON Patrick Hagen Gäste, die in einer Kölner Kneipe Altbier bestellen, sollten mit der Antwort rechnen, dass man nur frisches Bier habe. Die Düsseldorfer Bierspezialität hat trotz ähnlicher Brauart in der Nachbarstadt nicht viele Freunde. Die Düsseldorfer stehen der Bierfrage etwas undogmatischer gegenüber. Die Kneipe Eigelstein im schicken Medienhafen schenkt seit zwei Jahren mit großem Erfolg nur Kölsch aus.

In Köln ist die Freude über jeden Misserfolg des Nachbarn groß. Dass die Fußballer der Düsseldorfer Fortuna derzeit nur in der dritten Liga spielen, sorgt regelmäßig für Häme in Köln. In Düsseldorf führt man die Kölner Abneigung darauf zurück, dass Düsseldorf nach dem Zweiten Weltkrieg Landeshauptstadt wurde und nicht das deutlich größere Köln. Die Infrastruktur der Stadt war nicht so zerstört wie in Köln, sie lag näher am industriell wichtigen Ruhrgebiet und hatte mehr repräsentative Gebäude zu bieten.

Doch so sehr Sticheleien über Biersorten, Karnevalsbräuche oder sportliche Erfolge das Verhältnis der Städte prägen, sind seit Langem Forderungen nach mehr Zusammenarbeit zu vernehmen. Bei den Flughäfen, Sparkassen oder Messegesellschaften wurden schon Kooperationen und Fusionen beschworen – und scheiterten.

Bundesweit für Schlagzeilen hat zuletzt der „Messekrieg“ zwischen den beiden Rheinmetropolen gesorgt. Im vergangenen Jahr beendeten die Messen das Projekt einer gemeinsamen Tochtergesellschaft in Indien. Düsseldorfs Messechef Matthias Dornscheidt machte seinem Unmut über den Partner öffentlich Luft. Die Kölner würden die Businesspläne nicht einhalten. Weiteren Kooperationsversuchen erteilte er eine Absage.

Udo Siepmann von der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer wundert sich nicht darüber, dass es bis heute kein greifbares Ergebnis der vielbeschworenen Kooperationen gibt. „Man wollte die Zusammenarbeit immer mit den schwierigsten Themen beginnen“, sagt er und meint die Flughäfen und die Messen. Beide seien Konkurrenten, die um Marktanteile kämpften.

„Die Möglichkeiten für eine Kooperation liegen vor allem im externen Marketing“, sagt Siepmann. Für Unternehmen, die weltweit nach Führungskräften suchten, sei die jetzige Situation ein Problem. „Es wäre besser, den Raum gemeinsam zu vermarkten als große metropolitane Region, die mit London konkurrieren könnte.“

Die wachsende Konkurrenz durch das Ruhrgebiet macht ihm Angst. Gerade zieht ThyssenKrupp von Düsseldorf nach Essen. „Das Ruhrgebiet erlebt eine deutliche Revitalisierung“, sagt Siepmann. Angesichts dessen sei es wichtig, dass man im Rheinland besser zusammenarbeite.

Den Vergleich mit London hört der Kölner Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans nicht so gerne. „Wir sollten nicht unbedingt die Modelle anderer Regionen nachbauen“, sagt er. „Das würde die Vielfalt unserer Regionen ignorieren.“ Außerdem sei die Gegnerschaft mittlerweile schon ein Standortfaktor. „Die Rivalität steigert ja auch den Bekanntheitsgrad“, sagt Walter-Borjans. Der Grund, warum es in der Zusammenarbeit zwischen den Städten nicht weitergeht, liegt für ihn in ökonomischer Vernunft: „Man macht etwas nicht, wenn es sich nicht lohnt.“

Wenn es sich für sie auszahlt, arbeiten Unternehmen auch jetzt schon zusammen. Die Biotechnologie-Szene im Rheinland ist im Verbund Bioriver vernetzt. So wollen die meist kleinen Unternehmen sichtbarer werden. Auch die zahlreichen Automobilzulieferer der Region haben sich zu der Plattform Automotive Rheinland zusammengeschlossen.

Dass Kooperationen zwischen Köln und Düsseldorf auch klappen können, zeigen die Rheinschiffe der Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt. Die Reederei ist aus der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrtsgesellschaft in Köln und der Dampfschiffahrts gesellschaft Düsseldorf entstanden und ist eine der ältesten Aktiengesellschaften Deutschlands.

Bild(er):

So nah und doch so fern: Jecken in Köln (l.) und Düsseldorf (r.) feiern jedes Jahr im Februar mit derselben Ausgelassenheit Karneval. Doch wenn es um den großen Rivalen am Rhein geht, wird aus Spaß schnell Ernst – Picture-Alliance/dpa/Rolf Vennenbernd; Arco Images/E. Laue

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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