Der Gesundheitsmarkt lockt

Die Großhändler des Gefahrenschutzes bieten komplette Versorgungskonzepte in aller Welt an

Von Ilse Schlingensiepen D ie Münchener Rückversicherung übt sich im Gesundheitswesen in einer besonderen Rolle. Hier geht sie über das traditionelle Rückversicherungsgeschäft hinaus und positioniert sich als aktive Teilnehmerin im Markt. Im Emirat Abu Dhabi hat das Unternehmen den ersten privaten Krankenversicherer aufgebaut, nachdem die Regierung eine obligatorische Krankenversicherung für ausländische Arbeitnehmer eingeführt hatte. „Es gibt überall auf der Welt Bedarf für Lösungen im Gesundheitswesen“, sagt Peter Choueiri, Leiter des Geschäftsbereichs Health Care bei der Münchener Rück.

Beim Engagement im Gesundheitswesen setzt der Rückversicherer die Brille des Erstversicherers auf, sagt er. Die Münchener Rück entwickle Konzepte im Gesundheitsmanagement – etwa die Steuerung der Behandlung einzelner Patientengruppen oder die Bildung von Netzwerken aus besonders qualifizierten Ärzten oder Kliniken -, mit denen die Krankenversicherer dann in den Markt gehen können.

Damit stellt die Münchener Rück den Erstversicherern Know-how genau in dem Bereich zur Verfügung, in dem ihr Tochterunternehmen DKV die Marktführerschaft beansprucht. Das schaffe aber keine Probleme, betont Choueiri. „Wir kommen uns nicht ins Gehege.“

Bei den Aktivitäten im Gesundheitsmanagement geht es laut Choueiri darum, der Münchener Rück neues Rückversicherungsgeschäft zu bringen. Dafür muss man Kunden zunehmend mehr als die reine Rückversicherungskapazität bieten. „Wir erarbeiten gemeinsam mit dem Erstversicherer Ansätze, die ihm helfen, in seinem Markt besser zu werden“, sagt Choueiri. Dabei könne die Gesellschaft die „gesamte Wertschöpfungskette“ abdecken: von der Rückversicherung über das Risikomanagement bis zu Behandlungsprogrammen für Patienten und dem direkten Kontakt zu Ärzten. Die Münchener Rück ist nach seinen Angaben der einzige Rückversicherer mit einer spezialisierten Geschäftseinheit für den Bereich Gesundheit. Sie ist weltweit an mehr als 25 Standorten mit 2300 Beschäftigten präsent, ohne die deutschen DKV-Mitarbeiter. Die Wachstumsaussichten sind gut. „Wir rechnen in diesem Segment mit einem Zuwachs von 20 Prozent pro Jahr“, sagt Choueiri.

Doch der globale Gesundheitsmarkt reizt nicht nur die Münchner. Der Weltmarktführer Swiss Re hat Ende 2006 einen 26-prozentigen Anteil an der indischen TTK Healthcare Services übernommen, einem Dienstleister für die Schadenabwicklung im medizinischen Bereich. Außerdem hat das Schweizer Unternehmen die Beratungsfirma Swiss Re Healthcare Services in Bangalore gegründet. Mit dem Engagement will sich Swiss Re aktiv an der Erweiterung des indischen Krankenversicherungssektors beteiligen.

Auch die Hannover Rück geht in der Krankenversicherung über das klassische Rückversicherungsgeschäft hinaus, wählt dabei aber ein anderes Vorgehen als der Wettbewerber in München. „Wir wollen uns in diesem Bereich nicht flächendeckend aufstellen, sondern wir gehen in Nischen und versuchen, uns dort zu positionieren“, sagt Nicola-Alexander Sittaro, Hauptbereichsleiter Personenrückversicherung bei der Hannover Rück. „Für diese Nischen entwickeln wir dann auch Produkte.“

Eine neue Aktivität der Gesellschaft ist die Konzeption von speziellen Policen für ausländische Versicherte, die sich in renommierten Kliniken in Deutschland behandeln lassen wollen. „Dafür bauen wir eine komplette Infrastruktur auf“, berichtet Sittaro. Die Deckung bietet dem Kunden nicht nur die Behandlung bei ausgewählten Spitzenmedizinern hierzulande, sondern auch den Transport vom Heimatland in das deutsche Krankenhaus – ihn übernehmen die Malteser. Diese Policen bietet die Hannover Rück weltweit agierenden Erstversicherern an. Es gibt viele Regionen, in denen es Bedarf an solchen Angeboten gibt, beispielsweise die arabischsprachigen Länder, sagt Mediziner Sittaro. „Das ist eine Nische, die sich lohnt.“

Zitat:

„Es gibt überall auf der Welt Bedarf für Lösungen im Gesundheitswesen“ – Peter Choueiri, Münchener Rück –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit