Direktversicherer Admiral tritt in Deutschland an

Münchener Rück unterstützt das britische Unternehmen · Konkurrenz in der Autoversicherung wird angeheizt

Von Herbert Fromme, Köln Der britische Direktversicherer Admiral hat den Versicherungsbetrieb von seinem Kölner Büro aus aufgenommen. Unter der Leitung der früheren Unternehmensberaterin Sita Schwenzer wolle der Versicherer mit der Marke Admiraldirekt.de „verschiedene Marketingmaßnahmen testen“, so ein Sprecher des Mutterunternehmens. In dieser Zeit seien die Volumina wahrscheinlich eher klein.

Trotzdem wird diese Nachricht für Unruhe in der Autoversicherung sorgen. Denn Admiral ist nicht irgendeine Gesellschaft: In nur 14 Jahren wurde das Unternehmen zum drittgrößten britischen Autoversicherer. Immer dabei war die Münchener Rück, die mit 14,4 Prozent an der börsennotierten britischen Gesellschaft beteiligt ist und als Mitversicherer 60 Prozent aller Admiral-Risiken trägt.

In Deutschland wird die Münchener Rück in der Anfangsphase sogar 65 Prozent des gesamten Volumens in die Bücher nehmen, davon 15 Prozent als Mit- und 50 Prozent als Rückversicherer. Damit konkurriert der Rückversicherer über Admiral mit der eigenen Konzerntochter Ergo, die mit den Marken Victoria, Hamburg-Mannheimer und DAS im Autoversicherungsmarkt aktiv ist. Ergo hatte Anfang des Jahres selbst einen Internetversicherer entwickelt, ihn aber nicht auf den Markt gebracht. Einen Zusammenhang mit dem Marktauftritt von Admiral gebe es nicht, hieß es bei Ergo.

Die Autoversicherer führen seit 2004 eine erbitterten Preiskrieg, den Marktführer Allianz anzettelte. Sie verdienen aber immer noch ordentlich Geld in der mit 21 Mrd. Euro Prämie größten Sparte der Schaden- und Unfallversicherung. Denn die Schäden gehen ebenfalls zurück und die Versicherer haben gigantische Schadenrückstellungen, die Kapitalerträge abwerfen. Der Rückversicherer E+S hat errechnet, dass sie sich auf 17,5 Prozent der Prämie belaufen. Danach würden die Autoversicherer selbst dann noch betriebswirtschaftlich Gewinn machen, wenn sie über 110 Prozent der Prämien für Schäden sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten ausgeben. 2007 dürften es nur um 100 Prozent sein. Entsprechend lukrativ ist der Markt.

In Deutschland sind mehr als 55 Millionen Fahrzeuge versichert, davon rund 40 Millionen Pkw. Jedes Jahr wechseln etwa vier Millionen Halter ihren Versicherer. Hauptwechselmonate sind Oktober und November.

Eine Reihe neuer Anbieter und Vermarktungskombinationen ist gerade angetreten. Die Zurich Gruppe brachte Zurich Connect und gründete mit dem ADAC einen neuen Versicherer. Die VHV Gruppe in Hannover gründete die Hannoversche Direkt. Der Marktzweite HUK-Coburg verkauft künftig über die Postbank, die deutsche Tochter der britischen Direct Line über die Karstadt-Kaufhäuser.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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