Ratingagenturen verlangen Disziplin von der Branche

Standard & Poor’s droht mit Herabstufungen

Von Herbert Fromme Rob Jones schlug einen scharfen Ton an. Die Rückversicherer sollten unbedingt bei ihrer disziplinierten Politik bleiben und nicht um des Umsatzes oder der Verteidigung von Marktanteilen willen Geschäft zu unzulänglichen Preisen oder Bedingungen annehmen, warnte der Chefanalyst der Agentur Standard & Poor’s (S&P). „Die Branche befindet sich an einem Scheideweg“, sagte Jones beim globalen Rückversicherungstreffen in Monte Carlo Anfang September. S&P sei zwar „vorsichtig optimistisch“, dass die Manager in den Vertragserneuerungen für 2008 hart bleiben. Sollte das nicht geschehen, wären Ratingveränderungen nach unten die Folge, drohte er.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, meistens mit einer Buchstabenkombination. Ein „AAA“ bedeutet „beste Qualität“, „D“ heißt „zahlungsunfähig“. Ein schlechtes Rating ist für einen Rückversicherer schlimmer als ein verunglückter Autotest für VW oder Opel – das Rating ist entscheidend für das Geschäft. Seine Kunden, die Erstversicherer, kaufen ihre Rückdeckung wegen der Finanzkraft der Anbieter. Viele Versicherer haben rigide Vorgaben. Sie verbieten es, Deckung bei Gesellschaften zu kaufen, die nur ein „BBB“-Rating haben.

Jones‘ drastische Drohungen haben Gründe. Er fürchtet, dass die Gesellschaften bei fallenden Preisen die Disziplin aufgeben, wie das schon in früheren Versicherungszyklen geschehen ist. Um nicht noch mehr Geschäft an aggressive Konkurrenten zu verlieren, gab mancher Rückversicherer auf breiter Front nach und zog den Markt weiter nach unten. Ob die Ermahnung wirkt, wird sich bald zeigen. Die S&P-Rivalen von der Agentur Moody’s sind zuversichtlich. „Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass der Ausschlag nach unten diesmal weniger scharf ausfallen wird als zuvor“, so Dominic Simpson von Moody’s.

Viele Vorstände von Rückversicherern finden allerdings, dass die Bewerter zu viel Macht haben. Sie hoffen, dass der neue Eigenkapitalstandard der EU, der ab 2012 eingeführt wird, diese Macht beschneidet. „Dann stellt die staatliche Aufsicht fest, ob ich genug Eigenkapital habe“, sagte ein Manager. Dagegen könne sich eine Ratingagentur nicht stellen. Die Agenturen geben sich unbesorgt. Solvency II werde ihre Bedeutung eher erhöhen, glauben sie.

Zitat:

„Die Branche befindetsich am Scheideweg“ – Rob Jones, S&P –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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