Schwerer Stand für Vermittler

In Deutschland läuft das Geschäft oft ohne Rückversicherungsmakler ab

Von Friederike Krieger Die deutschen Rückversicherungsmakler sind zuversichtlich, dass sie künftig an Bedeutung gewinnen werden. Bisher hatten sie es schwerer als ihre Kollegen im Ausland. Während Makler dort viele Geschäfte zwischen Erst- und Rückversicherern einfädeln, blieben die Geschäftspartner hierzulande eher unter sich. Der Markt ist durch direkte Beziehungen gekennzeichnet, die Vereinbarungen bestehen oft schon seit Jahrzehnten. „Deutschland hat keine Maklertradition“, sagt Andreas Bergler vom Rückversicherungsmakler Benfield. Die Zahlen der Münchener Rück scheinen dies zu bestätigen: Weltweit bekommt der Rückversicherer rund 20 Prozent seines Geschäfts durch Makler vermittelt, in Deutschland sind es dagegen weniger als drei Prozent.

Wilfried Müller, Geschäftsführer des Maklers Guy Carpenter, sieht die Sache optimistischer. Wenn man die heutige Situation mit der vor fünf oder sechs Jahren vergleiche, habe sich schon viel bewegt. „Die Makler haben heute mehr Zugang zu den Erstversicherern“, sagt er. Bei denen bestehe ein großer Analyse- und Beratungsbedarf, vor allem wenn es um die Deckung gegen Schäden durch Naturkatastrophen ginge. Die neuen EU-Vorschriften für das Eigenkapital, Solvency II, verlangen von ihnen in diesem Bereich einen höheren Rückversicherungsschutz. „Auch bei der Beschaffung von entsprechenden Kapazitäten können Makler sehr hilfreich sein, weil sie Zugang zu den neuen Bermuda-Märkten haben“, so Müller. Holger Gaserow, Geschäftsführer des Marktführers Aon Re, sieht das ähnlich. Er schätzt, dass Makler inzwischen an zehn Prozent der Rückversicherungsgeschäfte in Deutschland beteiligt sind. Makler könnten gegenüber den Erstversicherern mit Neutralität bei Risikoanalyse und Deckung punkten. Viele Versicherer würden außerdem zu einer stärkeren Diversifikation bei ihren Rückversicherern tendieren. „Hier kann ein global agierender Makler die nötige Markttransparenz bieten“, so Gaserow. Er rechnet damit, dass die Maklerinvolvierung in den nächsten drei bis vier Jahren auf 30 Prozent steigen wird.

Da sind sich die Rückversicherer nicht so sicher. Für die umfassende Beratung beim Risikomanagement brauche man ein gutes Team, erläutert einer von ihnen, der lieber anonym bleiben möchte. „Aber wir beobachten, dass die Teamstärke reduziert wird“, sagt er. So hat der Makler Benfield jüngst seinen Personalbestand in Deutschland verringert. „Bei den deutschen Niederlassungen mancher Makler hat man noch nicht einmal den vollen Service zur Verfügung“, erläutert er. Wenn es um komplizierte oder internationale Geschäfte gehe, würden die Kunden oft nach London oder Zürich verwiesen.

Auftrieb könnte den Maklern der Wegfall der Meistbegünstigungsklausel bringen. Dabei holen sie Angebote mehrerer Rückversicherer ein und bilden auf dieser Basis einen Durchschnittspreis, wenn diese sich ein Risiko teilen. „Die EU glaubt, dass sich die Versicherer so nicht optimal rückversichern können“, sagt Gaserow. Aon Re akzeptiert bereits keine Angebote mehr, die mit der Klausel versehen sind. Stattdessen soll jeder Rückversicherer den Zuschlag zu dem Preis erhalten, den er für seinen Anteil am Risiko geboten hat. „Wir hoffen, dass es für unsere Kunden dadurch billiger wird“, erklärt er. Da es für sie so auch unübersichtlicher wird, gewinnen die Makler für ihre Kunden an Bedeutung. Müller von Guy Carpenter beobachtet allerdings, dass vor allem kleinere Erstversicherer lieber an der Klausel festhalten wollen, weil unterschiedliche Preise auch einen höheren Verwaltungsaufwand mit sich bringen. „Letztendlich entscheidet der Kunde, zu welchen Konditionen er ein Risiko in den Markt gibt, nicht der Makler“, sagt er.

Zitat:

„Deutschland hat keine Maklertradition“ – Andreas Bergler, Benfield –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit