USA investieren in eine lange Freundschaft

Mit keinem Bundesland ist die Wirtschaftskooperation so eng

Von Friederike Krieger Die USA und Hessen blicken auf eine lange gemeinsame Geschichte zurück. Das wohl bekannteste historische Intermezzo war der Einsatz von 19 000 hessischen Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die Söldner kämpften zwar aufseiten Englands gegen die amerikanischen Kolonisten, aber viele von ihnen fanden Gefallen an Land und Leuten. Rund 3000 Hessen blieben nach dem Friedensschluss freiwillig in Amerika.

Heute ist das Verhältnis zwischen der Rhein-Main-Region und der Supermacht vor allem ökonomischer Natur. „Keine andere Wirtschaftsregion in Mitteleuropa verfügt über so enge wirtschaftliche Verflechtungen mit den USA wie Hessen“, sagt Wirtschaftsminister Alois Rhiel. Der Bestand amerikanischer Direktinvestitionen am Standort Hessen beläuft sich auf 9,3 Mrd. Euro. Mehr als 700 amerikanische Firmen wie Goodyear, Honeywell und Procter & Gamble haben sich in der Region angesiedelt. Sie beschäftigen rund 150 000 Arbeitnehmer. „Es besteht massives Interesse der amerikanischen Wirtschaftsführer an intensiven Beziehungen mit der Frankfurter Metropole und den hessischen Regionen“, erklärt Christian Brune, der als Wirtschaftsbotschafter für Hessen in New York tätig ist. Investitionswilligen amerikanischen Unternehmen dient er als erster Ansprechpartner.

„Hessen und die USA sind historisch miteinander stark verwachsen“, erklärt er. Brune denkt dabei weniger an den Unabhängigkeitskrieg als an die Stationierung amerikanischer Soldaten in der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das ehemalige I.G.-Farben-Haus in Frankfurt lange Zeit als Europazentrale der amerikanischen Streitkräfte. Der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower ging dort ebenso ein und aus wie der frühere US-Außenminister Colin Powell. „Es hat sich eine ausgeprägte amerikanische Infrastruktur in Hessen entwickelt“, sagt Oliver Beil von der Hessen Agentur. So befinden sich das amerikanische Generalkonsulat und die amerikanische Handelskammer in Frankfurt. Zudem unterhalten acht US-Bundesstaaten Kontaktbüros in Hessen. 17 700 US-Bürger wohnen in der Region, es gibt acht internationale Schulen. „Diese starke amerikanische Präsenz zieht natürlich weitere Landsleute an“, sagt Beil.

Nähe zur Airbase

Zum Beispiel das Kommunikationsunternehmen Motorola, das im Jahr 1968 seine deutsche Hauptniederlassung in Taunusstein errichtet hat. Damals habe die Nähe zur Rhein-Main Air Base in Frankfurt und die „starke amerikanische Affinität“ Hessens den Ausschlag gegeben, erklärt Sprecherin Christiane Bischof. Inzwischen seien noch andere Faktoren hinzugekommen, die für Motorola interessant ist. „Zum einen ist es die Lage im wirtschaftlich starken Rhein-Main-Gebiet und die enge Anbindung an den Frankfurter Flughafen“, sagt sie. 340 Flüge gehen wöchentlich von Frankfurt in die USA. „Zum anderen ist es aber auch die geografische Lage im Zentrum von Deutschland, die aus logistischen Gründen vorteilhaft ist.“ Dies habe auch den Buchhändler Amazon dazu bewegt, sein Logistikzentrum 1999 in Bad Hersfeld aufzubauen, sagt Sprecherin Christine Höger.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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