XL hält sich in Deutschland zurück

Industrieversicherer beklagt Preisverfall · Bekanntheit soll gesteigert werden

Von Herbert Fromme, Köln Der Preisverfall in der von heftigem Wettbewerb geprägten deutschen Industrieversicherung macht den Markt zunehmend unattraktiv für internationale Anbieter. Der Industrie- und Rückversicherungskonzern XL Capital, der in Bermuda beheimatet ist, geht nur noch „mit Vorsicht“ an den deutschen Markt heran, sagte Chief Operating Officer Henry Keeling der Financial Times Deutschland. „Wir haben ein signifikantes Geschäftsvolumen in Deutschland“, sagte er. Der Markt sei zurzeit äußerst wettbewerbsorientiert. „Wir finden zwar immer noch attraktives Geschäft, sind im Moment hier aber sehr zurückhaltend.“

In den vergangenen Monaten sind zahlreiche Wettbewerber neu auf den umkämpften deutschen Markt gekommen. XL ist vor allem für global agierende Großkonzerne ein wichtiger Anbieter, weil das Unternehmen erfolgreich internationale Versicherungsprogramme aufstellen kann. Der Vorläufer Exel wurde 1986 von 68 Großkonzernen gegründet, die in der damaligen US-Haftpflichtkrise keine Deckung mehr fanden und deshalb ihren eigene Gesellschaft gründeten.

Inzwischen ist das Unternehmen sowohl Rückversicherer als auch Industrieversicherer. Die zweite Funktion wurde in Europa durch die Übernahme der damaligen Winterthur International im Jahr 2001 deutlich gestärkt. In Deutschland ist die Gruppe mit einem Büro in München vertreten. Privatkundengeschäft betreibt XL Capital dagegen kaum. Das Europageschäft hatte XL Ende vergangenen Jahres in einer Tochtergesellschaft in Dublin zusammengelegt, die mit 1,5 Mrd. $ kapitalisiert ist.

Mit Nettoprämien von 7,6 Mrd. $ im Jahr 2006 gehört das an der New Yorker Börse gelistete Unternehmen zu den Schwergewichten der Branche. Die von XL vorgelebte Mischung aus Rück- und Industrieversicherung wird zurzeit auch von den Weltmarktführern Münchener Rück und Swiss Re forciert.

„Für uns liegt der Wachstumsschwerpunkt zurzeit in den USA“, sagte Keeling. „Das heißt aber nicht, dass Europa nicht weiterhin sehr gute Gelegenheiten bietet.“ So habe das Unternehmen seine Kapazität für die Versicherung von Bauunternehmen gerade von 40 Mio. $ auf 100 Mio. $ mehr als verdoppelt.

XL verkauft sehr viel über Makler. Die Großmakler wollen gerade bei den Versicherern Sonderprovisionen von 2,5 Prozent durchsetzen. Die Forderung ist Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen Maklern, Versicherern und Endkunden. „Die Sonderprovisionen selbst sind nicht das Problem“, sagte Keeling. „Natürlich wollen wir nicht allgemein mehr für Provisionen ausgeben. Aber ob wir unter bestimmten Umständen nicht doch mehr zahlen, hängt sehr von der jeweiligen Lage ab.“

Entscheidend sei, dass die Kunden, die mit den Prämien letztendlich auch die Provision zahlten, genau unterrichtet seien. „Der zentrale Punkt ist die Transparenz.“

Die globalen Konzerne kennen XL, bei anderen Unternehmen gebe es noch Probleme mit der Bekanntheit, sagte Keeling. „Unsere größte Herausforderung in Bezug auf deutsche Versicherungseinkäufer ist, überhaupt zu ihnen vorzudringen“, sagte Keeling. „Wenn wir das geschafft haben, sind sie in der Regel nicht enttäuscht von uns.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit