Bumerang aus den USA

Roger Ferguson war Vize bei der Fed. Bei der Swiss Re holen ihn seine Notenbank-Entscheidungen nun ein

Für Roger Ferguson war es ein schwarzer Tag. Der weltgrößte Rückversicherer Swiss Re musste am Montag einen plötzlich aufgetauchten Großschaden von 1,2 Mrd. Schweizer Franken aus der Absicherung von US-Hypothekendarlehen einräumen – zwölf Tage nachdem das Unternehmen bei der Vorstellung der Quartalszahlen die Möglichkeit einer deutlichen Belastung durch die Krise energisch bestritten hatte.

Verantwortlich für den Bereich Financial Services beim Schweizer Konzern ist seit Oktober 2006 Roger Ferguson. Das fragliche Geschäft wurde in zwei Tranchen 2006 und 2007 eingefädelt. Der zumeist sehr selbstbewusste Ferguson musste in einer Telefonkonferenz zugeben, dass das Risikomanagement verbessert werden müsse. Zwar hätten die zuständigen Ausschüsse die Geschäfte genehmigt, doch habe Swiss Re die Wertverluste der Papiere in den USA nicht aktiv genug überwacht.

Kenner der internationalen Zentralbankszene nehmen Fergusons Verwicklung in diesen sehr realen Schaden fast amüsiert zur Kenntnis. Denn der Swiss-Re-Vorstand war von 1997 bis 2006 in leitender Position bei der US-Notenbank Federal Reserve tätig, von 1999 an sogar als Vize des Vorsitzenden Alan Greenspan. Nach dem 11. September 2001 war es Ferguson, der die Fed-Aktivitäten leitete, mit denen die Notenbank die Entstehung einer Finanzkrise infolge des Terrorüberfalls verhinderte. Der Einsatz brachte dem 1951 geborenen US-Amerikaner viel Anerkennung ein. Doch einige Fachleute sehen Fergusons Tätigkeit bei der Fed durchaus kritisch, manche meinen sogar, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik unter dem Duo Greenspan und Ferguson zu der in diesem Jahr ausgebrochenen US-Kreditkrise maßgeblich beigetragen hat.

Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain holte mit Ferguson einen erfahrenen Manager. Der Doktor in Recht und Wirtschaftswissenschaften arbeitete 13 Jahre bei McKinsey und hatte sich zuvor einen guten Ruf als Anwalt für Fusionen und Übernahmen erworben. Ferguson ist heute nicht zuletzt Mitglied des Aufsichtsgremiums der Universität Harvard und illustrer internationaler Vereinigungen zur Wirtschafts- und Außenpolitik.

Bei der Swiss Re – er startete als Chairman der Swiss Re America – war die Ansage an ihn klar: Ferguson sollte Anleger und Analysten von der Swiss Re überzeugen, die für jeden Versicherer komplizierten Beziehungen zu den US-Aufsichtsbehörden und zu Regierungen erleichtern und mit seinem großen Fachwissen die Swiss-Re-Geschäfte in den Bereichen Versicherungsverbriefungen und andere Finanzgeschäfte vorantreiben. Konzernchef Aigrain, gelernter Investmentbanker mit langer Wall-Street-Erfahrung, weiß, welches Renommee mit einer prominente Rolle bei der Fed einhergeht.

Mit dem jetzt bekannt gewordenen hohen Verlust hat auch Ferguson Schaden genommen. Sein Ansehen hängt künftig vor allem davon ab, wie schnell und überzeugend er die nötigen Änderungen bei der Swiss Re umsetzt.Herbert Fromme

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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