Dresdner bereitet der Mutter Sorgen

Investmentbanking muss 575 Mio. Euro abschreiben · Allianz stellt Geschäftsmodell infrage

Von Angela Maier, Frankfurt,und Herbert Fromme , Köln Die Verwerfungen an den Kreditmärkten haben die Allianz-Tochter Dresdner Bank im Sommerquartal wieder in die Verlustzone getrieben. Wegen Abschreibungen von 575 Mio. Euro und negativen Folgen der Steuerreform wies das Institut 52 Mio. Euro Verlust nach Steuern aus. Die Abschreibungen, die komplett bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort anfielen, seien „unter die Überschrift Überraschung einzuordnen“, sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet am Freitag in einer Telefonkonferenz. Dresdner Kleinwort musste einen Handelsverlust von 196 Mio. Euro hinnehmen.

Diese Zahlen überraschen, da die Allianz für Dresdner Kleinwort stets eine besonders risikoarme Strategie proklamiert und damit deren magere Gewinne während des Kapitalmarktbooms begründet hatte. Nunmehr will Perlet gegensteuern: „Wir diskutieren Konsequenzen für das Geschäftsmodell des Investmentbankings.“

Der Allianz-Vorstand sieht die Kreditmärkte deutlich pessimistischer als viele Banker. „Die Märkte für Syndizierungen werden auf lange Zeit trocken sein und nicht mehr zu alter Blüte zurückkehren.“ Zu einem möglichen Jobabbau wollte sich Perlet aber nicht äußern, wies jedoch die immer wieder aufkeimenden Gerüchte über eine Trennung von Dresdner Kleinwort zurück: „Unser Bekenntnis zur Investmentbank steht nach wie vor.“

Sechs Jahre nach der 24 Mrd. Euro schweren Übernahme scheint die Bank für die Allianz weiter eher als Klotz am Bein, als dass sich die Strategie des „integrierten Finanzdienstleisters“ als großer Wurf entpuppt. Bisher ist das Ziel von Konzernchef Michael Diekmann, 2007 einen Rekordgewinn von 8 Mrd. Euro nach Steuern vorzulegen, zwar nicht gefährdet – die Versicherer der Gruppe verdienen weiter gut, und die Auswirkungen der Krise auf die Kapitalanlagen im Versicherungsbereich sind laut Perlet sehr gering. Aber der Preistrend im Kerngeschäft Schaden- und Unfallversicherung, das den höchsten Beitrag zum Gesamtgewinn leistet, hat sich gedreht. Die Allianz muss künftig auch hier mit Ergebnisdruck rechnen. Da kann Diekmann Probleme mit der Bank überhaupt nicht gebrauchen.

Perlet erwartet, dass die Turbulenzen im vierten Quartal weitere Abschreibungen erfordern, wenn auch in geringerem Ausmaß. „Die Märkte haben sich im Oktober nochmals verschlechtert.“ Die Dresdner hatte Ende September forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) von 7,9 Mrd. Euro. Davon sind 2 Mrd. Euro in zweitklassige US-Hypothekenkredite (Subprime) oder die ebenfalls stark im Wert verfallenen erstklassigen Super-Senior-Kredite investiert. Während die Commerzbank nur Subprime-Engagements wertberichtigt hat, hat die Dresdner vorsichtiger alle ABS-Portfolios auf Marktwerte abgeschrieben.

Die von der Dresdner gemanagte außerbilanzielle Zweckgesellschaft K2 ist laut Perlet dabei, ihr Volumen durch Wertpapierverkäufe zu reduzieren, bislang von 35 Mrd. $ auf 25 Mrd. $. Die Firma, die in der besonders verlustgefährdeten Form eines Structured Investment Vehicles (SIV) aufgelegt ist, habe nur relativ geringe Preisabschläge in Kauf nehmen müssen. Das Risiko der Bank bei K2 besteht Perlet zufolge in 50 Mio. Euro Nachrangkapital sowie Liquiditätslinien von 150 Mio. $.

Operativ wies die Dresdner Bank einen kleinen Gewinn von 87 Mio. Euro aus, ein Einbruch von 80 Prozent. Dabei wurde der leicht rückläufige Gewinn im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden von 149 Mio. Euro von dem Verlust im Investmentbanking fast voll aufgezehrt. Der Gewinn besteht insofern fast vollständig aus dem Sammelposten „Corporate Other“, der unter anderem das bankinterne Treasury beinhaltet.

Bei Privat- und Firmenkunden ging der Umsatz im Quartal um zwei Prozent auf 845 Mio. Euro zurück, obwohl durch teure Wachstumsinitiativen die Kundenzahl in den ersten neun Monaten um 190 000 auf 6,3 Millionen erhöht wurde. Nach neun Monaten lag die Rendite der Bank auf das risikoadjustierte Kapital (Rorac) bei zwölf Prozent und damit unter der Zielvorgabe der Allianz: Demnach soll die Dresdner von 2007 bis 2009 im Durchschnitt mehr als 15 Prozent Rorac verdienen.

Bild(er):

Vor allem das Investmentbanking treibt die Dresdner Bank, hier die Zentrale in Frankfurt, in die Verlustzone – AP/Michael Probst

www.ftd.de/debatte/348

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Wie schlimm ist die Krise?

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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