Hank Greenberg attackiert AIG

Geschasster Chef und Aktionär will Strategie des Versicherers ändern · Aktie reagiert mit Kurssprung

Von James Politi, New York,und Herbert Fromme, Köln Maurice „Hank“ Greenberg hat eine Kampagne gegen das Management des US-Versicherers American International Group (AIG) begonnen. Mithilfe weiterer Aktionäre will er die Führung zu einem Strategiewechsel zwingen. Greenberg kontrolliert mindestens elf Prozent der Aktien des nach Börsenkapitalisierung weltgrößten Versicherers, nach eigenen Angaben sollen es schon 13,6 Prozent sein. Er hatte das Unternehmen selbst bis ins Jahr 2005 geführt.

Am Freitag veröffentlichte die Aufsicht SEC nach Börsenschluss eine Mitteilung Greenbergs und gleich gesinnter Aktionäre. Darin teilen sie mit, dass sie „strategische Alternativen“ für AIG erwägen und dazu mit anderen Aktionären und Dritten Gespräche führen werden. „Die hier genannten Personen glauben, dass die Möglichkeit besteht, die Leistung des Unternehmens deutlich zu steigern und seine strategische Richtung erheblich zu verbessern“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Einzelheiten, worin die Strategieänderung bestehen soll, fehlen. Celent-Analyst Donald Light hält es für denkbar, dass Greenberg von AIG die Trennung von den Töchtern für Asset-Management und allgemeine Finanzdienstleistungen außerhalb der Versicherungsbranche verlangen will. Sie hätten nie viel zum Konzerngewinn von AIG beigetragen.

Spekulationen, Greenberg könne an einer Übernahme arbeiten, gelten bei Analysten als wenig wahrscheinlich. Der Konzern ist zurzeit 105 Mrd. Euro wert und damit deutlich mehr als die Rivalen Allianz mit 68 Mrd. Euro und Axa mit 63 Mrd. Euro. Eine Übernahme wäre nicht leicht zu stemmen.

Der agile Greenberg hat sich den Zeitpunkt für seine Attacke gut ausgesucht. Seit Jahresanfang hatte die AIG-Aktie 17,5 Prozent verloren. Investoren fürchten eine mögliche Beeinträchtigung der Gesellschaft durch die Finanzkrise in den USA. Manche glauben auch, dass der Konzern nach Greenberg ohne klare nachvollziehbare Strategie agiert. Offenbar erwarten sie, dass die Greenberg-Initiative das ändern könnte. Im Gefolge der Nachricht reagierte das Papier nachbörslich mit einem Sprung von 3,6 Prozent auf 61,25 $.

Der Konzern zeigte sich ungerührt von der Greenberg-Aktion. „AIG hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren große Fortschritte gemacht und eine starke Kultur guter Unternehmensführung entwickelt“, sagte ein AIG-Sprecher am Freitagabend. „Das Unternehmen verfolgt die richtige Strategie.“ Vorstand und Board seien sich einig im Ziel, die Aktionärsinteressen zu fördern.

Greenberg stand 38 Jahre an der AIG-Spitze. Der heute 82-Jährige musste den Konzern 2005 verlassen. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer, inzwischen Gouverneur des Staates, warf AIG vor, 2000 und 2001 mithilfe von zweifelhaften Rückversicherungsverträgen mit Warren Buffetts General Re die Reserveposition geschönt und damit den Aktienkurs manipuliert zu haben.

AIG musste 1,64 Mrd. $ als Strafe und Schadensersatz für Anleger zahlen und trennte sich von Greenberg. Martin Sullivan, langjähriger Wegbegleiter Greenbergs als Chief Operating Officer, ersetzte die Wall-Street-Legende. Gegen Greenberg persönlich ermitteln die New Yorker Behörden.

Greenberg setzt für den Konflikt die von ihm kontrollierte Private-Equity-Gesellschaft Starr International und den Makler CV Starr & Co ein. Mit beiden Firmen hatte Greenberg in den vergangenen zwei Jahren seinem Ex-Arbeitgeber Konkurrenz gemacht. Ein großer Teil ihrer Aktien in AIG stammt aus Gewinnbeteiligungsmodellen für Manager, die zu Greenbergs Zeiten über die von ihm kontrollierten Starr-Unternehmen abgewickelt wurden.

Bild(er):

Maurice „Hank“ Greenberg musste AIG 2005 nach 38 Jahren an der Spitze wegen eines Skandals verlassen. Jetzt will er wieder an Einfluss gewinnen

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit