Kreditkrise schwächtSwiss Re

Aufsicht kündigt Prüfung an · Aktie gibt nach

Von Herbert Fromme, Köln Sorgen über neue Belastungen beim weltgrößten Rückversicherers Swiss Re haben gestern die Aktie des Unternehmens geschwächt. Das Papier verlor 1,9 Prozent auf 80,65 Schweizer Franken, während der Schweizer Aktienmarkt stagnierte. Seit dem Jahreshöchststand am 4. Juni hat das Papier 32 Prozent verloren.

Mehrere schlechte Nachrichten sorgten für die Missstimmung von Anlegern. Die eidgenössische Versicherungsaufsicht kündigte an, „Transaktionen und das Umfeld“ sehr genau zu prüfen, die bei Swiss Re in der vergangenen Woche zu der überraschenden Bekanntmachung eines Verlustes von 1,2 Mrd. Franken aus zwei Kreditabsicherungsgeschäften geführt hatten. Auf der Quartalspressekonferenz zwölf Tage vorher war von diesen Verlusten noch keine Rede gewesen. Die Swiss Re habe ein Kommunikationsproblem, sagte Aufsichtschefin Monica Mächler der „Aargauer Zeitung“. Die Behörde werde Kreditderivate und ähnliche Transaktionen bei der Swiss Re und anderen Versicherern „genau unter die Lupe“ nehmen.

Die Analysten der Bank Credit Suisse empfahlen gestern den baldigen Verkauf der Aktie („Trading Sell“). Neben den Verlusten aus den Credit-Default-Swaps nannten sie als Gründe das große Engagement bei strukturierten Produkten, den Preisdruck im Kerngeschäft Rückversicherung, die Dollar-Schwäche und sinkende Anleiherenditen.

Dazu kamen Sorgen über weitere mögliche Verlustquellen für Swiss Re aus der US-Hypothekenkrise. Nach eigenen Angaben trägt der Rückversicherer ein Risiko von 2,4 Mrd. Franken aus der Rückdeckung von amerikanischen Hypothekenversicherern, den sogenannten Monolinern. Diese Spezialversicherer waren in der vergangenen Woche in Turbulenzen geraten, als die Ratingagenturen mit einer Herabstufung drohten und nur hohe Kapitalspritzen von Eignern das abwendeten. Auch auf der Anlageseite sei die Swiss Re noch von Verlustmöglichkeiten bedroht, hieß es in Zürich. „Die Börse meidet die Intransparenz“, sagte Oppenheim-Analyst René Locher.

Quelle: Financial Times Deutschland


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