Makler Aon baut weltweit Personal ab

Belegschaft soll um gut sechs Prozent schrumpfen

Von Herbert Fromme und Steffen Klusmann, Hamburg Der Versicherungsmakler Aon will weltweit 2700 Mitarbeiter oder gut sechs Prozent seiner Belegschaft einsparen. Zurzeit beschäftigt die Gruppe 43 000 Angestellte. Mit den Kosteneinsparungen reagiert Unternehmenschef Greg Case auf die fallenden Prämien. Zudem soll der Konzern wendiger werden. Case kündigte den Schnitt zusammen mit einem hohen Gewinn im dritten Quartal an. Im Vorjahresvergleich stieg er um 92 Prozent auf 204 Mio. $.

Der Konzern will sein Ziel auch durch Auslagerung erreichen. 1100 der betroffenen Stellen an externe Dienstleister gehen. Case bezifferte die Kosten des Umbaus mit 360 Mio. $, vor allem für Abfindungen. Doch werde der Schritt bereits 2008 rund 70 Mio. $ Einsparungen bringen, bis 200 Mio. $ im Jahr 2009 und 240 Mio. $ ein Jahr später. Aon vermittelt Versicherungsverträge für die Großindustrie und berät beim Risikomanagement. Das Unternehmen sieht sich als weltgrößten Versicherungsmakler, Konkurrent Marsh bestreitet das.

Umsetzung in Deutschland

Es gehe vor allem um eine Vereinfachung der komplexen Organisation, sagte Deutschlandchef Ralph Liebke der FTD. Die Zahl der bei der deutschen Tochter Aon Jauch & Hübener betroffenen Arbeitsplätze wollte er nicht nennen. Marktschätzungen, dass es sich um 150 bis 200 Stellen von heute 1600 Stellen handelt, kommentierte er nicht. „Wir müssen das erst genau für jedes Land erarbeiten und mit unseren Mitarbeitern besprechen“, sagte Liebke, der auch Mitglied des Europamanagements von Aon ist.

„Wir werden in den Funktionen, die mit Kunden zu tun haben, nicht kürzen“, sagte Liebke. „Es geht vor allem um IT, Buchhaltung, Inkasso, Personalabteilungen und solche Aufgaben“, sagte er. Aon werde die Arbeiten länderübergreifend an einen Dienstleister vergeben, der sie in den einzelnen Ländern erledige.

Marktkreise schätzen den Provisions- und Honorarumsatz des deutschen Marktführers Aon Jauch & Hübener auf stagnierende 165 Mio. Euro, Aon veröffentlicht sie nicht. Auch Liebke wollte dazu nichts sagen, bestätigte aber, dass es eine „gewisse Schwäche im organischen Wachstum“ gebe. Das liege am Kernmarkt Industrieversicherung, in dem die Preise seit vier Jahren zurückgingen.

Gewerbegeschäft wird geprüft

Liebke zufolge prüft Aon für seine Märkte – auch Deutschland – den Einstieg in das lukrativere Gewerbegeschäft mit kleineren Firmen. „Wir fangen heute bei Unternehmen an, die mehr als 50 Mio. Euro Umsatz haben“, sagte Liebke. Rund 70 Prozent des Geschäfts stammten von der Großindustrie. Dafür brauche Aon Ingenieure und andere Risikospezialisten. „Den Markt für kleinere Unternehmen kann man so nicht bearbeiten, das ist viel zu kostenintensiv.“ Da müsse Aon eher als reine Vertriebsorganisation auftreten.

Ein weiteres neues Wachstumsfeld könne das Geschäft mit Annex-Versicherungen sein. Das Unternehmen könne dazu beitragen, dass Firmen vom Stromkonzern bis zur Optikerkette ein Versicherungsangebot an ihr Hauptprodukt anhängen. Auch Zukäufe in Nischen oder Regionen, in denen Aon schwach vertreten ist, blieben möglich, sagte Liebke. Er bestätigte, dass Aon Verhandlungen über den Kauf der Beratungsfirma Höfer führt, die in der betrieblichen Altersversorgung tätig ist.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit