Marsh verlangt Zusatzprovision

Makler fordert angemessene Honorierung seiner Dienstleistung · Unruhe bei Versicherern und Kunden

Von Herbert Fromme, Köln Der zweitgrößte Versicherungsmakler in Deutschland will nach FTD-Informationen bei den Industrieversicherern in Deutschland Zusatzprovisionen von 2,5 Prozent der Prämie durchsetzen. Entsprechende Forderungen wurden von dem Maklerunternehmen Marsh gestellt, das sich global als Marktführer sieht. Bisher waren diese Forderungen nur aus dem Londoner Markt bekannt, dort stellten sie Marsh und die globale Nummer drei, Willis. Sie sorgen für Konfliktstoff zwischen Maklern, Industriekunden und Versicherern.

„Wir führen entsprechende Gespräche mit Versicherern“, bestätigte Marsh-Deutschlandchef Felix Hufeld. Das Unternehmen schaffe Wert für den Versicherer, das müsse angemessen honoriert werden. Damit meint Hufeld Dienstleistungen, die Makler für Versicherer erbringen. Dazu gehören Risikoprüfung, das Ausstellen von Policen und andere Dienste.

Das Thema ist äußerst heikel. Umsatzbezogene Sonderprovisionen von Versicherern an Makler, sogenannte Contingent Commissions, hatten 2004 zu Ermittlungen des damaligen New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer gegen Marsh geführt. Spitzer warf Marsh und anderen Maklern vor, Geschäfte ihrer Kunden gezielt zu bestimmten Versicherern geschleust zu haben, um die Sonderprovisionen zu ergattern – auch wenn die Gesellschaft nicht unbedingt die günstigste für den Kunden war. Der Skandal führte zu hohen Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen. Außerdem mussten die Großmakler zusagen, solche Formen der Entlohnung nicht mehr zu dulden.

Hufeld sagte, die jetzt eingeforderte zusätzliche Provision habe mit den alten Contingent Commissions nichts zu tun. Sie solle nur bei solchen Verträgen erhoben werden, bei denen die Kunden den Makler in Form eines Honorars bezahlen und die Versicherer die Prämie auf Nettobasis – also nach Abzug einer fiktiven Provisionssumme – in Rechnung stellen. „Außerdem wird hier vollständige Transparenz sichergestellt, die Kunden erfahren das natürlich.“ Des Weiteren seien die Provisionen nicht umsatzbezogen, von einer Verletzung von Kundeninteressen könne nicht gesprochen werden.

Die Großmakler befinden sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Seit Jahren fallen die Preise für Industrierisiken kräftig. Da auch die Schäden zurückgehen, machen die meisten Versicherer noch Gewinn. Die Makler allerdings, die zum größten Teil von Provisionen leben, spüren den Druck direkt. Ihr Provisionsniveau liegt meistens unverändert bei 15 Prozent.

Kunden befürchten, dass sie die Zusatzprovision zahlen sollen. „Wir sehen solche Zahlungen in dieser Form nicht ein“, sagte Stefan Sigulla, Versicherungschef bei Siemens und Vorstandsmitglied des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands (DVS), der Lobbyorganisation der deutschen Industrie in Versicherungsfragen. „Der Makler ist der Sachwalter des Kunden. Da stellt sich die Frage, warum ausgerechnet er Dienstleistungen für den Versicherer erbringen muss.“ Gerade die Konzerne, deren Versicherungsrechnung dreistellige Millionensummen erreicht, befürchten, unter einer zu engen Zusammenarbeit von Maklern und Versicherern zu leiden.

Axa Corporate Solutions, der Industrieversicherungsarm des Pariser Axa-Konzerns, lehnt solche Zahlungen ab, so Unternehmenschef Jean-Paul Rignault. Allianz Global Corporate & Specialty werde solche Zahlungen nur dann zulassen, wenn sie eins zu eins auf die Prämie für den Kunden aufgeschlagen würden und die Kunden darüber vollständig transparent unterrichtet würden, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Eine entsprechende Vereinbarung sei mit Marsh für das Londoner Geschäft getroffen worden. In Deutschland werde man Gespräche führen. „Wir prüfen das juristisch und wirtschaftlich“, sagte ein Sprecher von HDI-Gerling Industrie, der vom Talanx-Konzern gerade aus der Tochter HDI und der übernommenen Gerling Konzern Allgemeine gebildet wurde.

Der deutsche Marktführer Aon Jauch & Hübener bleibt bei der Diskussion außen vor. Das Unternehmen erhält bereits seit Jahren eine „Service Fee“ von vielen Versicherern – ein wichtiger Grund für Marsh, auf entsprechender Zahlung zu bestehen. In den Maklerhäusern hieß es gestern, die Opposition bei manchen Versicherern sei öffentlich laut, aber in Einzelgesprächen kaum noch spürbar.

Zitat:

„Wir führenentsprechende Gespräche mit Versicherern“ – Felix Hufeld, Chef von Marsh Deutschland –

Bild(er):

Bleibt angesichts der erhitzten Diskussion um die Zusatzprovision cool: Felix Hufeld, Deutschlandchef von Marsh – Andreas Varnhorn

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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