Investor droht Münchener Rück

Aktivist Cevian hält knapp drei Prozent · Veränderungen zur Belebung des Aktienkurses gefordert

Von David Ibison, Stockholm, Ivar Simensen, Frankfurt und Herbert Fromme, Hamburg D er schwedische Großinvestor Cevian Capital will nach FT-Informationen mit einer Beteiligung von knapp drei Prozent die Münchener Rück zu wichtigen Veränderungen bewegen. Das Unternehmen, das als engagierter Anleger oder „activist investor“ gilt, will eine Reihe „operativer, strategischer und finanzieller Veränderungen“ durchsetzen, um den Aktienkurs des Konzerns zu steigern. Cevian werde Gespräche mit dem Management suchen, sagte Christer Gardell, einer von Cevians Gründern und Managing Partnern. Details zu den gewünschten Änderungen nannte er nicht. Die Münchener Rück lehnte einen Kommentar ab.

Mitgründer und Partner Lars Förberg sagte, Cevian habe sich gut vorbereitet und über mehr als sechs Monate „mit beträchtlicher Hilfe von außen“ den Rückversicherungsmarkt und die Geschäftspolitik der Münchener Rück analysiert. „Die Rückversicherung wird von vielen Investoren vernachlässigt, hier gibt es sehr gute Möglichkeiten für die Steigerung des Unternehmenswertes“ , sagte Gardell. Bei der Münchener Rück wolle Cevian seinen Anteil aufstocken.

Die Beteiligung ist der erste Cevian-Vorstoß nach Kontinentaleuropa. Der Fonds, zu dessen Anlegern US-Investor Carl Icahn gehört, hatte sich bisher vor allem auf nordische Gesellschaften wie den LKW-Hersteller Volvo konzentriert. Cevian investiert mit eigenem Geld und setzt nicht auf Fremdfinanzierungen. Beteiligungen reichen von zwei bis zehn Prozent. Das Unternehmen sieht sich selbst als langfristiger Investor und lehnt die Bezeichnung Hedge-Fonds ab. „Wir arbeiten mit dem Management“, sagte Gardell.

Dennoch dürfte die Initiative von Politik und Wirtschaft genau beobachtet werden. Die Finanzinvestoren sind spätestens seit ihrem erfolgreichen Vorgehen bei der Deutschen Börse umstritten. Ebenfalls mit kleinen Beteiligungen zwangen 2005 The Children’s Investment Fund (TCI) und Atticus erfolgreich die Deutsche Börse, die Kaufpläne für die Londoner Börse fallen zu lassen. Börsenchef Werner Seifert und Aufsichtsrat Rolf Breuer mussten gehen.

Mit knapp unter drei Prozent bleibt Cevian unter der Meldeschwelle, ab der eine Beteiligung veröffentlicht werden muss. Der Fonds hält an einem weiteren Dax-Konzern einen ähnlich hohen Anteil, wollte den Namen aber nicht nennen.

Die Münchener Rück strebt für 2007 einen Rekordgewinn von mehr als 3,5 Mrd. Euro an. Bis 2010 sollen aus Dividenden und Aktienrückkäufen mindestens 8 Mrd. Euro an Aktionäre fließen. Dennoch hat die Aktie seit Jahresanfang vier Prozent verloren, während der Dax um 20 Prozent zulegte. Dazu tragen sowohl Investorensorgen wegen möglicher Belastungen aus der US-Kreditkrise bei, die sich bisher nicht bestätigten, als auch hausgemachte Probleme. Doch steht die Münchener Rück im Branchenvergleich gut da: Der Versicherungs-Eurostoxx verlor seit Jahresbeginn 12 Prozent.

Mit seinem Programm „Changing Gear“ (die Gangart wechseln) will Konzernchef Nikolaus von Bomhard Veränderungen durchsetzen. Dazu gehören neben internen Umstrukturierungen Zukäufe außerhalb des Kerngeschäfts Rückversicherung. Cevians Angriff zeigt aber, dass manche Anleger mit dem Fortschritt nicht zufrieden sind.

Im August sagte von Bomhard der FTD, dass Hedge-Fonds zehn Prozent bis 15 Prozent halten. „Als Manager muss einen das nicht gleich in die größte Unruhe versetzen“, sagte er damals. „Es sind Aktionäre, und wir wollen ja das machen, was die heutigen und künftigen Aktionäre zufriedenstellt.“

Bild(er):

Nordic Walker: Wie die Statue vor einem ihrer Bürogebäude soll auch die Münchener Rück beherzt voranschreiten. Der Finanzinvestor Cevian Capital aus Schweden will es so

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit