Mapfre greift in Deutschland an

Spanischer Versicherungsriese liebäugelt hierzulande mit Zukauf · Interview mit Industriechef Mira

Von Herbert Fromme, Köln Der spanische Versicherungskonzern Mapfre prüft den Kauf eines Versicherungsunternehmens in Deutschland, ohne bisher ein konkretes Ziel zu haben. „Wir sehen uns als global tätiges Unternehmen“, sagte Filomeno Mira, Chef der Industrieversicherungstochter Mapfre Empresas, im FTD-Interview. Dazu gehöre eine gewisse Größe in den Kernmärkten. „Zur Zeit ist es nicht gerade billig, Versicherungsunternehmen zu kaufen“, sagte er. Aber das Unternehmen habe die finanzielle Stärke und den Willen, eine große Rolle in der europäischen Assekuranz zu spielen. Das gerade eröffnete Kölner Büro mit drei Mitarbeitern, geleitet vom Ex-Gerling-Manager Ulrich Stürmer, sei nur der Anfang. „Sollten wir einen Versicherer kaufen, würden wir das Büro in diese Gesellschaft eingliedern.“

Mapfre ist der größte spanische Versicherer mit weltweit 8,5 Mrd. Euro Prämieneinnahmen in den Schaden- und Unfallsparten, die Autos, Fabriken oder Haftpflichtrisiken umfassen, nicht aber die Lebensversicherung. In der Rangfolge der europäischen Schwergewichte steht Mapfre nur auf Platz elf. Zum Vergleich: Europa-Marktführer Allianz kommt global auf 43,7 Mrd. Euro.

Die Mapfre-Führung unter Konzernchef José Manuel Martínez will unter die ersten fünf in Europa vorstoßen, sagte Mira. In Lateinamerika sei das Unternehmen Marktführer in der Schaden- und Unfallversicherung. Insgesamt ist die Gruppe in 39 Ländern aktiv und hat 28 000 Beschäftigte. In die USA hat Mapfre gerade einen ersten Vorstoß unternommen und für 1,54 Mrd. Euro den Autoversicherer Commerce Group gekauft. Einen Rückschlag gab es in Italien, wo ein mit der Gesellschaft Cattolica geplanter Autoversicherer nach einem Streit zwischen beiden nicht zustande kam.

Die Versicherung von Industrieunternehmen spielt als erster Schritt in der globalen Expansion eine besondere Rolle – hier kann ein Versicherer mit einfachen Mitteln relativ schnell eine Marktpräsenz erreichen. Deshalb gründete Mapfre in kurzer Zeit Büros in Paris, London und Köln.

Bei den deutschen Kunden ist das zusätzliche Angebot hoch willkommen. „Wir bieten deutschen Industriekonzernen die gleiche Versicherungskapazität von 100 Mio. Euro wie spanischen Kunden“, sagte Mira. Dort habe Mapfre Empresas einen Marktanteil in der Industrieversicherung von 18,5 Prozent. „Wir sind an den Versicherungsprogrammen von 28 der 35 Unternehmen im Leitindex Ibex beteiligt“, sagte Mira. Der erste Grund für die Expansion nach Europa, Asien und Nordamerika sei die rasch zunehmende globale Präsenz der spanischen Mapfre-Kunden. „Sie investieren in Osteuropa, Großbritannien, Deutschland, Italien. Wir müssen nahe bei ihnen bleiben.“

Mapfre könne aber auch der deutschen Wirtschaft mehr als nur Versicherungskapazität zur Verfügung stellen, sagte er. „Dazu gehören unsere führende Stellung in Lateinamerika, aber auch unsere große Erfahrung in der Versicherung von Industriekonzernen.“ So könne Mapfre in der Versicherung von Telekommunikationsunternehmen auf die Erfahrungen mit Telefonica zurückgreifen. „Es gibt bestimmt viele deutsche Unternehmen, die gern mit sechs bis zehn Versicherungsgesellschaften weltweit arbeiten“, sagte Mira. „Da wählen sie AIG, Allianz und andere. Wir setzen darauf, dass wir sehr bald zu dieser Gruppe gehören.“

In Deutschland will Mapfre zunächst vor allem als Mitversicherer in Konsortien arbeiten, die von anderen geführt werden. Für 2008 erwartet Mira bescheidene 12 Mio. Euro Prämie aus dem deutschen Markt.

Dass Mapfre wie auch andere ausländische Gesellschaften ausgerechnet dann auf den Markt kommen, wenn die Preise in den Keller rauschen, stört Mira nicht. „Wir haben eine Langzeitstrategie. Da kommt es nicht darauf an, zu welchem Zeitpunkt man in einen Markt geht.“ Ohnehin sei wohl der Tiefpunkt im Preisverfall in der Industrieversicherung jetzt erreicht.

Der Industrieversicherer Mapfre Empresas verdient trotz der Preisflaute noch gut. Bei Prämieneinnahmen von 1,35 Mrd. Euro erzielte er 2006 einen Gewinn vor Steuern von 116 Mio. Euro. Von den Prämieneinnahmen stammen 560 Mio. Euro aus der Abteilung Global Risks, die nur mit Großkonzernen arbeitet.

Bild(er):

Fühlt sich wohl im neuen Kölner Büro: Filomeno Mira, Chef des Industrieversicherers Mapfre Empresas beim Interview – Jardai/modusphoto.com

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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