Von der Schwester lernen

DocMorris bietet Zusatzdienste nach Vorbild britischer Apothekenketten

Von Ilse Schlingensiepen, London M it Gesundheitsprogrammen und weiteren Dienstleistungen nach britischem Vorbild will die Versandapotheke DocMorris im Wettbewerb punkten. „Man kann sich im Apothekenmarkt auf Dauer nicht über den Preis differenzieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende Ralf Däinghaus. Für ihn besteht dabei auch die Option, mit eigenen Produkten auf den Markt zu gehen – so wie Lloydspharmacy es in Großbritannien schon länger macht.

Der Wettbewerb auf dem deutschen Apothekenmarkt dürfte damit intensiver werden. Zahlreiche Apothekenkooperationen, Pharmagroßhändler und Drogerieketten bringen sich derzeit für die erwartete Liberalisierung des mit einem Umfang von rund 35 Mrd. Euro größten europäischen Apothekenmarkts in Stellung. DocMorris gilt dabei nach der Übernahme durch den Pharmagroßhändler Celesio als einer der Hauptakteure.

Mit dem Beratungskonzept nutzt DocMorris konzerninterne Synergien. Auch die britische Kette Lloydspharmacy mit über 1600 Apotheken und 1,5 Mrd. £ Umsatz gehört zu Celesio. Von den Erfahrungen der Schwester will DocMorris nun beim Aufbau eines eigenen Netzes von Lizenzapotheken profitieren. Inzwischen gibt es mehr als 100 Partner.

Zusätzliche Dienstleistungen sind für Lloydspharmacy wichtiger Bestandteil der Geschäftsstrategie, neben dem klassischen Apothekengeschäft. Dazu zählen Programme zur Früherkennung von Diabetes und Bluthochdruck, Arzneimittelmonitoring bei Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, und Raucherentwöhnprogramme. „Solche Angebote lassen es für Kunden sinnvoll erscheinen, immer in dieselbe Apotheke zu gehen“, sagt Pharmacy-Director Andy Murdock.

Ein Großteil der Programme wird über die Krankenversicherung erstattet. Bei den anderen muss der Kunde eine Gebühr bezahlen. Strategisches Ziel ist es, die Apotheken als festen Bestandteil des regionalen Gesundheitssystems zu etablieren und Kunden zu binden. „Wir möchten in der Wahrnehmung mehr sein als der Ort, an dem man ein Rezept einlöst“, sagt Murdock. Wie viel des Umsatzes auf die Zusatzangebote entfällt, sagt er nicht.

„Durch die Liberalisierung haben sich im britischen Apothekenmarkt Strukturen entwickelt, die auch für uns interessant sein können“, sagt DocMorris-Chef Däinghaus. Im Oktober hat das Unternehmen für seine Partnerapotheken bereits ein Beratungs- und Testprogramm für Diabetespatienten entwickelt. Anfang 2008 soll nun ein Konzept für Raucherentwöhnung folgen. Die britischen Programme und Materialien werden dafür dem deutschen Markt angepasst.

Vorstellen kann sich Däinghaus auch, wie Lloydspharmacy eigene Produkte in den Apotheken anzubieten. Die britische Kette verkauft etwa preisgünstige Blutdruckmessgeräte unter eigenem Label. Experten warten schon lange auf den Start von Eigenmarken im deutschen Apothekenmarkt. Als Vorbilder gelten der Optiker Fielmann und die Drogeriemarktkette DM. „Es geht darum, qualitativ hochwertig und gleichzeitig günstig zu sein“, sagt Däinghaus. Im Einzelhandel sind Eigenmarken besonders wegen der hohen Margen attraktiv – nicht selten tragen sie die Hälfte des Gewinns.

Zitat:

„Man kann sich auf Dauer nicht über den Preis differenzieren“ – Ralf Däinghaus –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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