Wie wird 2008? Porsche schluckt VW, der Dax rauscht auf 7000 Punkte, und ein Schwarzer wird US-Präsident. Die Prognosen unserer Redaktion fürs neue Jahr

Unternehmen

Wird es mehr Frauen in den Vorständen der Dax-Konzerne geben? Eher nicht. Bettina von Oesterreich, Risikovorstand des Immobilien- und Staatsfinanzierers Hypo Real Estate, wird auch 2008 ihren Exotenstatus behalten. Zwar gibt es einige Kandidatinnen in Wartestellung wie etwa Sabine Drzisga, Vorstand der wichtigsten MAN-Sparte Nutzfahrzeuge, oder Karin Katerbau, Finanzchefin der Commerzbank-Tochter Comdirect. Deren Vorgesetzte zeigen aber keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit. Sven Clausen

Trennen sich Alcatel und Lucent wieder? Nicht unwahrscheinlich. Denn die französisch-amerikanische Traumhochzeit der Telekomausrüster entpuppt sich als unternehmerisches Desaster. Minus 16 500 Jobs, 345 Mio. Euro Verlust allein im dritten Quartal. Die chinesischen Hersteller Huawei und ZTE sind billiger, das Joint-Venture Nokia Siemens ist kulturell mit sich im Reinen und Ericsson besser gemanagt. Volker Müller

Wird Strom noch teurer? Ja, und zwar deutlich. Die kräftige Preiserhöhung zur Jahreswende ist bereits beschlossen. Und tendenziell dürfte der Preis im Jahresverlauf eher weiter steigen als fallen, denn er hängt stark von den Rohstoffkosten ab, die wohl auf hohem Niveau bleiben werden. Matthias Ruch

Verliert Apple den Nimbus als erfolgreicher Nischenplayer? Nein. Den Kultstatus dürfte der Mac-Hersteller selbst jetzt nicht verlieren, da er im digitalen Musikmarkt den Ton angibt, bei den Computerverkäufen deutlich schneller zulegt als die Branche und einen höheren Börsenwert als die meisten Konkurrenten hat. Dafür wird die fundamentalistische Fangemeinde sorgen, die Apple immer noch als Underdog sieht, der nicht nur gegen Microsoft verteidigt werden muss. Helene Laube

Übernimmt Porsche die Mehrheit bei VW? Auf jeden Fall. Nur so kann der Sportwagenbauer seine Macht bei Volkswagen voll ausspielen. Doch den Aktienkauf wird Porsche erst nach der Wahl in Niedersachsen Ende Januar vollziehen. So wird Ministerpräsident Christian Wulff, der das Land als zweiter Volkswagen-Großaktionär vertritt, nicht geschwächt. Für Porsche ist es ein symbolisches Geschenk, das Wulff gute Stimmung bescheren und ihn zu einem angenehmen Verhandlungspartner machen dürfte. Kristina Spiller

Politik

Wird 2008 ein SPD-Mann Ministerpräsident? Nein. Die SPD wird zwar voraussichtlich in Hessen, Niedersachsen, Hamburg und Bayern Prozentpunkte hinzugewinnen, während CDU und CSU mit Verlusten rechnen müssen. Aber in Hessen könnte ein erfolgreicher Wahlkampf der SPD-Frau Andrea Ypsilanti dazu führen, dass die Linke unter fünf Prozent bleibt. Dann aber wird sich CDU-Ministerpräsident Roland Koch mithilfe der FDP an der Macht halten. In Hamburg ist die Linke stärker. Kommt sie in die Bürgerschaft, stehen die Zeichen dort jedoch auf Schwarz-Grün. Peter Ehrlich

Bekommen die USA einen schwarzen Präsidenten? Gut möglich. Der „Schwarze“ Barack Obama hat gegen die „Frau“ Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidat der Demokraten in einigen Bundesstaaten deutlich aufgeholt, auch wenn sie landesweit immer noch mit Abstand vorn liegt. Für wen sich die Demokraten entscheiden, werden sie jedoch weder nach Geschlecht noch nach Hautfarbe bestimmen. Sabine Muscat

Zerbricht Belgien? Nein. Kulturell mögen sich Flamen und Wallonen auseinandergelebt haben, rechtlich werden sie sich nicht scheiden lassen. Wahlverlierer Guy Verhofstadt hat gerade eine Übergangsregierung gebildet und ist zu einer neuen gesamtbelgischen Integrationsfigur geworden. Er wird mindestens bis 2009 regieren – im existierenden Staat Belgien. Fidelius Schmid

Schlittert Deutschland in die Rezession? Nein. Die Aufregung um die Finanzprobleme der Banken ist stark übertrieben. Deswegen muss der Aufschwung nicht zusammenbrechen. Schlimmer ist, dass der Euro so teuer geworden ist. Und dass die Deutschen von all den Preiserhöhungen genervt sind. Das spricht gegen den großen Konsumschwung. Am wahrscheinlichsten ist: Der Aufschwung verliert an Fahrt, um spätestens gegen Ende 2008 noch mal ordentlich Schub zu bekommen. Thomas Fricke

Fällt die Arbeitslosenzahl unter 3,5 Millionen? Ja, selbst wenn die Konjunktur nicht ganz so toll brummt. Dafür sprechen schon Statistiktricks: Bauarbeiter, die im Winter nicht arbeiten, werden wegen des Saisonkurzarbeitergelds nicht als arbeitslos gezählt. Der Kommunalkombi, ein neues Instrument für schwer Vermittelbare, wird ebenfalls die Zahlen senken. Die Auftragsbücher sind zudem voll. Sollten die Firmen dennoch unter Druck geraten, werden sie voraussichtlich zunächst Überstunden abbauen, Stundenkonten einführen oder Kurzarbeit ansetzen. Maike Rademaker

Finanzen

Ist die Subprime-Krise für die Großbanken erledigt? Nein. Die vom US-Hypothekenmarkt ausgelöste Kreditkrise hat die Banken weltweit fest im Griff. Die Stunde der Wahrheit schlägt mit den Jahresabschlüssen für 2007. Dann müssen die Zahlen von den Wirtschaftsprüfern testiert werden, und die haben bereits erklärt, dass es kein Pardon geben wird. Weitere Haftungsklagen erboster Investoren will und kann sich die Branche nicht leisten. Rolf Lebert

Kommt es zu einer Fusion von Helaba und WestLB? Ja, denn die nordrhein-westfälische Regierung hat keine anderen Optionen. Niedersachsen, Bayern und angeblich auch Hamburg haben abgewinkt, der erträumte europäische Partner ist nicht in Sicht, Finanzinvestoren und die Landesbank Baden-Württemberg sind unerwünscht. Der Preis für die Fusion ist hoch. Hessen wird von Nordrhein-Westfalen Bürgschaften für Risiken und hohe Anteile am neuen Institut verlangen. Nina Luttmer

Wird der Dax 2008 wieder unter 7000 Punkte fallen? Ja. 2007 war der deutsche Aktienmarkt ein Star unter den Weltbörsen. Starker Außenhandel, neue Wettbewerbsfähigkeit und kaum steigende Lohnkosten ließen die Gewinne der deutschen Konzerne sprudeln. Das wird sich nicht abrupt ändern. Doch die Kreditkrise hinterlässt weiter ihre Spuren. Inflation wird die Handlungsmöglichkeiten der Notenbanken einschränken. Der Dax wird deshalb zeitweise unter 7000 Punkte fallen. Der große Crash bleibt aber aus. Denn Dax-Werte sind nach wie vor nicht teuer, und es fehlen attraktive Anlagealternativen. Joachim Dreykluft

Fällt der Ölpreis unter 80 Dollar pro Barrel? Ja. Finanzinvestoren haben mit Wetten die Notierungen bis auf knapp 100 $ getrieben. Höchste Zeit, dass das sich umkehrt. Die Kreditkrise wird die Nachfrage dämpfen, die Opec, allen voran Angola und der Irak, wird das Angebot ausweiten. Und wenn das Wetter keine Kapriolen schlägt, wird es eng 2008 für die Ölbullen. Tobias Bayer

Verkauft die Münchener Rück die Ergo-Versicherung? Nein. Zwar verlangen einige Analysten und Anleger einen solchen Schritt. Sie glauben, dass die Unternehmen getrennt mehr wert sind. Aber noch ist der Druck nicht groß genug. Die Münchener Rück erzielt Milliardengewinne, die Aktie läuft besser als die meisten anderen Versicherungswerte. Außerdem hat sich Konzernchef Nikolaus von Bomhard so eindeutig gegen einen Verkauf der Ergo positioniert, dass er einen solchen Deal kaum durchziehen könnte.Herbert Fromme

Wissenschaft, Kultur & Sport

Wird es 2008 noch wärmer? Viel spricht dafür. Seit Beginn der Aufzeichnungen steigen die weltweiten Durchschnittstemperaturen, jedes Jahr seit 2001 landete in den Hitze-Top-Ten. 2008 startet aber mit einem Handicap: Im Pazifik ist die warme El-Niño-Strömung von ihrer kalten Schwester La Niña abgelöst worden, die schon 2007 um den Titel „heißestes Jahr“ gebracht hat. Wenn sich das pazifische Blatt aber wendet, ist für 2008 alles drin. Georg Dahm

Bekommen die Deutschen 2008 wieder einen Oscar? Nein. Und das, obwohl Fatih Akin, in Hamburg geborener Sohn türkischer Einwanderer, gleich mit zwei Filmen nominiert wurde: Aus Deutschland wurde seine Regiearbeit „Auf der anderen Seite“ ins Rennen geschickt. Die Türkei will den Auslands-Oscar mit „Takva“ gewinnen – einem Film, den Akin produziert hat. Dass der Preisträger – 2007 gewann der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck – in zwei aufeinanderfolgenden Jahren aus dem gleichen Land kommt, wäre indes ungewöhnlich. Willy Theobald

Wer wird Europameister? Sorry, liebe Poldi-Schweini-Jogi-Fans, aber Champion werden die Italiener. Klar, das ist ungerecht, wo sie doch schon Weltmeister sind. Aber es ist auch Tradition für gute Fußballnationen, beide Titel zu halten. Die Älteren werden sich erinnern: 1972/74 gelang das Kunststück den Deutschen. Italiens Weltmeisterteam besteht nahezu unverändert fort, ist also hervorragend eingespielt. Wenn sie wollen, schießen die Azzurri immer das eine Tor mehr. Und so wird es auch im Finale von Wien sein. Wahrscheinlich gegen Deutschland. Axel Kintzinger

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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