Autoversicherer HUK-Coburg holt auf

Marktzweiter legt bis zum Ende der Wechselfrist um 100 000 Fahrzeuge zu · Allianz stagniert auf hohem Niveau

Von Herbert Fromme und Patrick Hagen, Köln Der aggressiv wachsende Autoversicherer HUK-Coburg hat in der Wechselkampagne zum Jahresende den Marktanteil erneut ausgebaut. Marktführer Allianz stagniert dagegen. Das geht aus vorläufigen Zahlen aus den Unternehmen hervor.

Danach hat HUK-Coburg die Zahl der versicherten Fahrzeuge um rund 100 000 auf 7,85 Millionen gesteigert. Ein Sprecher bestätigte die Zahlen „im Großen und Ganzen“. Einzelheiten will das Unternehmen Ende Januar nennen.

Die Allianz blieb dagegen unverändert bei 8,9 Millionen Fahrzeugen, sagte ein Sprecher. Insgesamt sind in Deutschland rund 55 Millionen Fahrzeuge versichert.

Neben der Versicherung von Neu- und Gebrauchtwagen nach dem Verkauf ist die Wechselkampagne der wichtigste Gradmesser für die Veränderung der Marktverhältnisse. Nach Branchenangaben wechseln drei bis vier Millionen Fahrzeugbesitzer jedes Jahr den Versicherer, die meisten aus Preisgründen. In der Regel müssen Autohalter ihre Verträge bis Ende November kündigen.

Seit Ende 2004 sinken die Preise in der Autoversicherung, nachdem sie vorher drei Jahre lang heftig zugelegt hatten. Trotz des Preisverfalls erzielen die meisten Gesellschaften in dieser Sparte immer noch Gewinne: Die Unfallzahlen sind ebenfalls rückläufig, damit auch der Schadenaufwand. Außerdem bringen die traditionell hohen Schadenreserven in der Autoversicherung Milliardenerträge aus Zinsen.

Der Autoversicherungsmarkt ist heiß umkämpft. Mit 21,8 Mrd. Euro Auto-Prämie nahm die Branche 2007 zwar 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr ein, aber sie bleibt neben der Lebens- und der Krankenversicherung der größte Umsatzbringer für die deutsche Assekuranz.

Die HUK-Coburg hat ihre Wurzeln in der Autoversicherung für Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Mittlerweile steht sie allen Fahrzeughaltern offen, hat sich aber ihren Ruf als Billiganbieter erhalten. Auf Kosten der Traditionsgesellschaften, allen voran der Allianz, gewinnt sie seit Jahren Marktanteile. Dazu trägt auch ihre geschickte Online-Politik bei: Die 2000 gegründete Internet-Gesellschaft HUK24 hat inzwischen 800 000 Fahrzeuge versichert und steuert den größten Teil zum Wachstum der HUK-Coburg bei.

Inzwischen hat der Marktführer reagiert und mit Allianz 24 selbst 2005 einen Online-Versicherer installiert. Auch bei den Vertriebskosten, einem Hauptvorteil der Coburger in der Konkurrenzschlacht, haben die Münchner durch rabiate Provisionssenkungen bei ihren Vertretern nachgezogen.

Dennoch können sie ihren Marktanteil nicht ausbauen. In den 8,9 Millionen Allianz-versicherten Fahrzeugen sind auch rund 1,1 Millionen enthalten, die der Kooperationspartner Volkswagen über sein Händlernetz versichert und weitestgehend mit seinem Volkswagen Versicherungsdienst selbst verwaltet. Es ist das Volumen, das der Allianz bisher die Marktführung sichert.

Die Allianz setzt deshalb auch in der Schadenbearbeitung voll auf die Vertragswerkstätten der Automobilhersteller. HUK-Coburg hält mit einem eigenen Modell dagegen: Kunden, die bei Kasko-Schäden am eigenen Fahrzeug eine der von der Gesellschaft beauftragten freien Werkstätten aufsuchen, versichern sich billiger.

In der Wechselschlacht hat auch die LVM-Gruppe aus Münster leicht gewonnen. Der Versicherer meldet einen Zuwachs von 29 000 versicherten Fahrzeugen, bei einer Ausgangszahl von rund 2,6 Millionen. LVM gehört zu den fünf Größten der Branche.

Die Axa in Köln, die nach eigenen Angaben nicht versucht hat, mit weiteren Rabatten Kunden zu gewinnen, geht davon aus, dass sie ihren Bestand halten konnte. Nach dem Jahreswechsel 2006/2007 hatte die Kölner Gesellschaft 2,2 Millionen Fahrzeuge versichert. Keine Angaben wollten Ergo, AMB Generali und VHV machen, ebenfalls bedeutende Marktteilnehmer.

Bild(er):

Drängelt von hinten: HUK-Coburg kommt in der Autoversicherung dem Marktführer Allianz nahe – FTD/Stephan Minx(2); FTD-Montage

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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