BaFin setzt auf kooperatives Aufsichtsmodell

Versicherer sollenihre Risiken offenlegen

Von Anja Krüger, Bergisch Gladbach Die Finanzaufsicht BaFin setzt auf Selbstkontrolle und Auskunftbereitschaft der Versicherer, um auch globale Risiken der Assekuranz erkennen zu können. „Die kooperative Aufsicht ist das Modell der Zukunft“, sagte Thomas Steffen, Erster Direktor Versicherungsaufsicht der BaFin, am Freitag beim Versicherungsgipfel der FTD. „Wir vertrauen darauf, dass die Unternehmen selbst Risiken steuern und kontrollieren.“ Es müsse für die Aufseher aber möglich sein, Informationen über die globale Risikosteuerung der Versicherer von ihnen selbst zu erhalten. „Zu einer kooperativen Aufsicht gehören zwei Partner. Die Aufsicht ist dazu bereit“, sagte er.

Der Blickwinkel der Aufseher sei der europäische Markt, sagte Steffen. Die Europäische Kommission will unter dem Stichwort Solvency II neue Eigenkapitalvorschriften und eine Vereinheitlichung der Aufsicht für Versicherer durchsetzen. Der vorgelegte Entwurf sieht vor, dass künftig die Aufsicht des Mutterlandes eines Versicherers auch seine Tochtergesellschaften in anderen europäischen Ländern kontrolliert. Einige EU-Staaten lehnen das ab, weil sie fürchten, keine Gewalt mehr über in ihrem Land tätige Gesellschaften zu haben.

Nach Steffens Erwartung wird zu den künftigen Hauptaufgaben der deutschen Aufseher weniger der direkte Verbraucherschutz als die Unterstützung der Finanzmarktstabilität gehören. „Wer glaubt ernsthaft, dass die Aufsicht einzelne Verträge prüft, wenn die Märkte abschmieren?“ Dabei werde die deutsche Aufsicht nicht nur für die Finanzmarktstabilität im eigenen Land, sondern in ganz Europa zuständig sein. Die aktuelle Krise zeige allerdings, dass es kein Finanzsystem Deutschland oder Europa gebe, sondern ein globales. „Wenn im System Fehler entstehen und Versicherer an einem Teil der Welt falsche Anreize setzen, kann das einen Flächenbrand im anderen Teil der Welt auslösen.“

Wenn es hart auf hart komme, endet die Aufsicht an der Grenze, sagte Steffen. „Aber im Vorfeld hoheitlicher Maßnahmen können wir vieles machen.“ Dazu müssten die Versicherer aber bereit sein, ihre Risiken offenzulegen – was voraussetze, dass die Unternehmen diese Risiken tatsächlich kennen. „Bei komplexen Finanzprodukten bin ich überzeugt, dass mancher Manager die Risiken nicht erkannt hat.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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