Buffett steigt bei Swiss Re ein

US-Investor kauft drei Prozent und schließt fünfjährigen Rückdeckungsvertrag ab · Aktienkurs legt zu

Von Herbert Fromme, Köln Der US-Investor Warren Buffett hat 3,03 Prozent am weltgrößten Rückversicherer Swiss Re gekauft. Gleichzeitig gaben beide einen ungewöhnlichen Rückversicherungsvertrag für fünf Jahre bekannt. Die in den Vormonaten stark gebeutelte Aktie der Swiss Re reagierte gegen den Markttrend positiv.

Durch das Rückversicherungsgeschäft mit einer Buffett-Gesellschaft setzt Swiss Re Kapital frei. Das will Konzernchef Jacques Aigrain für ein Aktienrückkaufprogramm von 1,75 Mrd. Schweizer Franken einsetzen, zusätzlich zu laufenden Aktionen. Insgesamt beläuft sich der Rückkauf damit auf 7,75 Mrd. Franken.

Die Aktie hatte seit Anfang 2007 fast 27 Prozent verloren. Besonders negativ wirkte sich ein Schaden von 1,2 Mrd. Franken aus Subprime-Engagements aus, den Swiss Re am 19. November 2007 bekannt gab – keine zwei Wochen nach der Mitteilung, mehr als 290 Mio. Franken seien nicht zu befürchten.

„Der Deal ist eine Reaktion auf den niedrigen Aktienkurs der Swiss Re“, sagte Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan. „Ich glaube nicht, dass sie das sonst gemacht hätten.“ Analysten der Bank Vontobel sprachen kritisch von einem „leider notwendigen und defensiven Schritt“, der auf die „unvernünftige und nie klar erklärte Expansion im Finanzdienstleistungsgeschäft“ zurückzuführen sei.

Der gelernte Investmentbanker Aigrain baut gerade den traditionellen Rückversicherer um und versucht, über Verbriefungen und kapitalmarktnahe Angebote den Gewinn zu steigern. Mit der Übernahme des US-Konkurrenten GE Insurance Solutions machte Aigrain Swiss Re 2006 zum Weltmarktführer und zog an der Münchener Rück vorbei.

Warren Buffett gilt als opportunistischer Investor, der seine hohe Kapitalkraft und das entsprechende Rating geschickt im Markt einsetzt. So übernahm Buffett 2006 vom Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s dessen Abwicklungsgesellschaft Equitas mit 7 Mrd. $ Deckung. Ende Dezember 2007 gründete er einen Anleiheversicherer. Berkshire kontrolliert zwei bedeutende Rückversicherer: Berkshire Re deckt vor allem Großgeschäfte mit wenigen Kunden ab, darunter auch Konkurrenten. Die zweite Tochter Gen Re – zu der in Deutschland die Kölnische Rück gehört – ist im traditionellen Markt tätig.

Das Geschäft zwischen Buffett und Swiss Re sorgte sowohl wegen seines Inhalts als auch wegen seiner Dauer für Aufsehen in der Branche, denn Fünfjahresverträge sind sehr selten geworden.

Die Berkshire-Tochter Columbia Insurance übernimmt rückwirkend zum 1. Januar 2008 in einer sogenannten proportionalen Deckung 20 Prozent aller Risiken in der Schaden- und Unfallversicherung, die Swiss Re zeichnet.

Wenn Swiss Re künftig einem deutschen Gebäudeversicherer Rückdeckung für Risiken aus Stürmen gewährt, erhält Buffett 20 Prozent aller Prämieneinnahmen der Swiss Re aus dieser Deckung und muss 20 Prozent aller Schäden zahlen.

Bei Schaden/Unfall geht es um Autos, Gebäude, Industrieanlagen und Haftungsrisiken. 2006 erzielte Swiss Re in Schaden/Unfall 18,5 Mrd. Franken Prämie, die Gesamtprämien beliefen sich auf 29,5 Mrd. Franken.

Zwischen Rückversicherern, den Großhändlern des Risikoschutzes, sind proportionale Verträge unüblich geworden. Sie decken sich in der Regel gegenseitig durch nichtproportionale Policen, die nur Spitzenrisiken abdecken – alle Sturmschäden in einer Region über 50 Mio. $ beispielsweise – und für eine individuell kalkulierte Prämie vereinbart wird.

“ Swiss Re hat Geschäft der nächsten fünf Jahre für den Aktiendeal verpfändet“, sagte ein Manager eines Konkurrenten. Eine Sprecherin des Unternehmens widersprach. Die beiden Geschäfte hätten nichts miteinander zu tun.

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Warren Buffetts Einstieg wirkt wie ein Qualitätssiegel für Swiss Re – der Kurs stieg gegen den Trend

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www.ftd.de/assekuranz Rückversicherer im Fokus

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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