Preise für Managerhaftpflicht fallen

Großunternehmen zahlen zehn Prozent weniger · Erste Marktstudie über deutsche D&O-Versicherung

Von Herbert Fromme und Anja Krüger, Köln Deutsche Großunternehmen haben 2007 im Schnitt zehn Prozent weniger als im Vorjahr für ihre Managerhaftpflichtversicherung (Directors‘ & Officers‘ Liability, D&O) gezahlt. Die durchschnittliche Prämie lag bei 442 000 Euro. Teuer ist der Versicherungsschutz für Konzerne, die in den USA börsennotiert sind: Für sie belief sich die Jahresprämie auf 2,3 Mio. Euro. Das ist zwar ein Rückgang um 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, liegt aber deutlich über den 349 000 Euro, die eine Firma mit Notierung nur außerhalb der USA zahlen musste.

Die Zahlen gehen aus der ersten D&O-Versicherungsstudie für den deutschen Markt hervor, die das Beratungsunternehmen Towers Perrin Tillinghast in Köln zusammen mit dem Spezialmakler Ihlas & Köberich durchgeführt hat. Vorbild ist die US-Studie von Towers Perrin, die mittlerweile seit 29 Jahren erscheint.

Mit D&O-Policen sichern Unternehmen Vorstände und Aufsichtsräte gegen Ansprüche entweder von außen oder durch das eigene Unternehmen ab, wenn ein Manager fahrlässig einen Schaden verursacht hat. Die Sparte ist mit geschätzten 300 bis 400 Mio. Euro Prämieneinnahmen vergleichsweise klein, hat aber eine große Bedeutung für einzelne Unternehmen und Manager. So musste die damalige DaimlerChrysler seine Versicherer wegen Interview-Äußerungen von Ex-Chef Jürgen Schrempp bemühen, die zu Schadensersatzforderungen von Aktionären führten. VW-Vorstand Peter Hartz löste mit seinem Verhalten einen D&O-Schaden aus. WestLB, Lufthansa und AHBR gehören zu den Unternehmen, die Ansprüche an ihre Versicherer stellten.

Die Anbieter halten alle Zahlen zu Prämien, Schäden und Marktanteilen in D&O geheim. Umso größer ist das Interesse auf Kundenseite an höherer Transparenz. Deshalb unterstützten der Deutsche Versicherungs-Schutzverband, die Lobby der Industrie in Versicherungsfragen, und das Deutsche Aktieninstitut die Towers-Perrin-Umfrage. Von 3300 angefragten Unternehmensgruppen antworteten 113, die eine durchschnittliche Bilanzsumme von 16 Mrd. Euro aufweisen. Ihre gesamten Prämienausgaben für D&O beliefen sich 2007 auf 36,7 Mio. Euro. „Das sind rund zehn Prozent des deutschen Marktes“, sagte Stephan Westphal, Aktuar bei Towers Perrin. „Vor allem größere Unternehmen mit mehr als 750 Mio. Euro Umsatz sind vertreten.“ Die Erhebung soll künftig jährlich erfolgen. „Wir hoffen dann auf eine höhere Beteiligung mittelgroßer und kleinerer Unternehmen.“

Bei den deutschen Großunternehmen ist der US-Versicherer AIG klarer Marktführer. Auf ihn entfielen 2007 19 Prozent der Verträge und 24 Prozent der Prämien. Deutschland-Champion Allianz folgt auf Platz zwei mit 14 Prozent beziehungsweise 17 Prozent.

D&O ist eine sehr junge Sparte: Der überwiegende Teil der Konzerne hat erst 1999 bis 2001 begonnen, entsprechende Deckungen einzukaufen. 2001 bis 2003 gab es die erste große Schadenwelle, ausgelöst durch den Kollaps des Neuen Marktes und die Aktienkrise. Seither ist es trotz der spektakulären Großschäden wie DaimlerChrysler oder Lufthansa insgesamt ruhig auf der Schadenseite, wenn es auch 2006 einen Anstieg gab.

Die Umfrage zeigt, dass bei nur 16 Prozent der D&O-Versicherten in den vergangenen zehn Jahren ein Schaden eintrat – ähnlich wie in den USA, wo der Wert bei 14 Prozent liegt. Von deutschen Firmen mit einer Bilanzsumme von mehr als 1 Mrd. Euro meldeten 24 Prozent, bei den kleineren neun Prozent Schäden im Zehnjahreszeitraum.

Diese Zahlen stehen in Kontrast zu bisher marktgängigen Vermutungen, nach denen rund zehn Prozent aller Verträge jährlich zu Schäden führen. „Die Differenz kommt wohl dadurch zustande, dass viele Kunden aus Vorsicht mögliche Schadenfälle melden, wenn beispielsweise ein Aktionär eine Klage angedroht hat“, sagte Makler Horst Ihlas. „Das beschäftigt natürlich die Schadenabteilungen, führt aber nicht immer zu einer wirklichen Schadenmeldung.“ Bei der Umfrage hätten die Firmen nur echte Schäden angegeben. In 38 Prozent der gemeldeten Schäden kam es zum Streit mit dem Versicherer.

Einen persönlichen Selbstbehalt für die versicherten Manager haben nur 36 Prozent der Unternehmen, 64 Prozent haben keinen. Auch bei den börsennotierten Aktiengesellschaften versichern 52 Prozent ihr Führungspersonal ohne Selbstbehalt. „International ist der persönliche Selbstbehalt eine absolute Ausnahme“, sagte Ihlas. In Deutschland sei der Selbstbehalt zum Thema geworden, weil die Cromme-Kommission in ihrem Corporate-Governance-Kodex einen „angemessenen Selbstbehalt für die Organmitglieder börsennotierter Aktiengesellschaften“ verlangt. Was angemessen ist, sei allerdings nicht festgelegt worden, so Ihlas.

www.ftd.de/manager

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Haftungsrisiken vermindern

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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