Unfallkosten setzen Assekuranz zu

Kfz-Versicherer begegnen Ausgabenwachstum bei Schwerstverletzten mit speziellen Rehabilitationsangeboten

Von Anja Krüger und Friederike Krieger, Köln Auf die Kfz-Versicherer kommen wieder steigende Kosten durch Personenschäden zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind in den ersten elf Monaten 2007 auf deutschen Straßen mit 4557 Opfern zwar 2,4 Prozent weniger Personen gestorben, aber die Zahl der Verletzten ist um 3,2 Prozent auf 401 000 gewachsen.

Teuer sind für die Versicherer vor allem die Schwerstverletzten. Die Assekuranz versucht zunehmend mit Betreuungsangeboten Kosten zu senken. Fast alle Kfz-Versicherer kooperieren deshalb mit speziellen Rehabilitationsdienstleistern. Das sogenannte Personenschadenmanagement ist Kernthema beim heute in Goslar stattfindenden Verkehrsgerichtstag.

„Je schwerer das Verletzungsbild, desto stärker explodieren die Kosten“, sagte Rolf Mees, Bereichsleiter Großschaden beim zweitgrößten deutschen Autoversicherer HUK-Coburg. „Früher hatte der Großteil der Schwerstverletzten eine geringe Lebenserwartung“, sagte Mees. Die höhere Lebenserwartung, steigende Ausgaben für ihre Versorgung und zunehmende Regressforderungen der Sozialversicherungen treiben die Kosten in die Höhe.

Als „schweren Personenschaden“ bewertet die HUK-Coburg Verunglückte, die Kosten von mehr als 150 000 Euro verursachen. Ist so ein Fall zu erwarten, schaltet der Versicherer einen Reha-Dienstleister ein. Dessen Mitarbeiter kümmern sich um den Verletzten, erstellen eine Prognose über den Heilungsprozess und einen Plan für die medizinische und berufliche Rehabilitation. Im Jahr verzeichnet die HUK-Coburg bei mehr als 40 000 Personenschäden etwa 1000 Großschäden, allerdings sind nicht alle für eine Rehabilitation geeignet. Das Einsparpotenzial bei Reha-Teilnehmern liegt bei 10 bis 15 Prozent der Kosten für die Schadenregulierung. Marktführer Allianz kann bei erfolgreichem Reha-Management den Schadenaufwand zwischen 2500 Euro und in Einzelfällen bis zu 40 000 Euro pro Jahr reduzieren.

„Im Idealfall ergibt sich eine Win-win-Situation“, sagte der Verkehrs- und Versicherungsrechtler Klaus Schneider. „Der Versicherer spart Kosten, und der Geschädigte bekommt eine optimale Rehabilitation.“ Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel dürfen die Reha-Dienstleister nur strikt unabhängig vom Versicherer arbeiten. „Aus der Schadenregulierung halten wir uns ganz raus“, betonte Norbert Neumann, Geschäftsführer des Rehabilitations-Diensts, einer Tochter des Rückversicherers Gen Re.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Anbieter für die Betreuung und Wiedereingliederung von Unfallopfern. „Wir betreuen etwa 1500 Verunglückte im Jahr“, sagte Neumann. Etwa 80 Prozent kehren in den Beruf zurück, einige nach einer Umschulung, andere durch Hilfen wie Umbauten in der früheren Firma. „Wir haben schon einen querschnittsgelähmten Richter wieder zurück an den Arbeitsplatz gebracht“, berichtete Neumann.

Bild(er):

Crash-Test-Dummies: Immer mehr Personen überleben Verkehrsunfälle schwer verletzt – die Versicherer stellt das vor Herausforderungen – Bilderberg/Peter Ginter

www.ftd.de/unfallkosten

www.ftd.de/unfallkosten

Weitere Informationen im Netz

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit