Versicherer begreifen Ernst der Lage

Aktienverluste und Zinssenkungen negativ für die Branche · Hohe Belastungen erwartet

Von Herbert Fromme, Köln Die Auswirkungen der Finanzkrise nehmen Dimensionen an, die jetzt auch die deutschen Versicherer beunruhigen. Versicherungsmanager und Experten sind sich nach FTD-Informationen im Klaren, dass erhebliche Belastungen aus den jüngsten Marktturbulenzen nicht mehr abzuwenden sind. In den Konzernen herrscht spürbare Nervosität.

Eine Stellungnahme der Finanzaufsicht BaFin half gestern nur kurzzeitig, die Anleger gegenüber Versicherungsaktien wieder milde zu stimmen. Die BaFin sprach erneut von begrenzten Auswirkungen der Finanzkrise auf deutsche Versicherer – ausgehend von einer Umfrage in der Branche. Die Aufsicht hatte die Versicherer konkret nach ihrem Engagement in Wertpapieren befragt, die direkt von der Krise am US-Markt für Hypotheken niedriger Bonität (Subprime) betroffen sein könnten. Das Ergebnis fasste die Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit den Worten zusammen, dass kein erhöhtes Risiko bestehe.

Nach heftigen Abschlägen am Montag und einem Börsenstart am Dienstag tief im Minus machten die großen Versicherer einen Teil der Verluste wieder wett – bedingt auch durch die generelle Markterholung dank der Zinssenkung der Fed.

Die Versicherer haben aber Sorgen, die weit über den bisher als gering angesehenen Abschreibungsbedarf auf Papiere aus dem Subprime-Umfeld hinausgehen. Neben Einbußen aus dem Kursverfall an den Aktienmärkten befürchtet die Assekuranz niedrigere Zinsen im Gefolge der Entscheidung der US-Notenbank.

Eine weitere Furcht: Sollten die Rating-Agenturen die durch die Subprime-Krise geschwächten Banken in großem Stil herabstufen, würde das zu hohem Abschreibungsbedarf der Versicherer führen. Über festverzinsliche Papiere gehört die Assekuranz zu den größten Refinanzierern der Banken.

Nach dem Crash von 2001 bis 2003 haben die Gesellschaften ihre Aktienpositionen stark heruntergefahren. Die Lebensversicherer, die mit 660 Mrd. Euro den größten Teil der Kapitalanlagen der Assekuranz halten, hatten davon Ende 2007 rund 12 Prozent oder 80 Mrd. Euro in Aktien investiert. Ein starker Wertverfall hätte also deutliche Auswirkungen. Einzelne Gesellschaften haben sich aber früh aus dem Aktienmarkt zurückgezogen. Dazu gehört die Kölner DEVK, die ihre Positionen ab Mitte 2007 aus Furcht vor einem Rückschlag radikal abgebaut hat.

Noch negativer als Einbrüche bei den Aktienkurse wirken sich fallende Zinsen auf Versicherer aus. Die Gesellschaften haben dann langfristig Probleme, eine konkurrenzfähige Verzinsung für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Die Lebensversicherer haben gerade ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2008 im Durchschnitt von 4,23 Prozent auf 4,34 Prozent angehoben, bezogen auf den Sparanteil der Prämie. Dazu kommen noch Schlusszahlungen. Zwar wird die Gutschrift für 2008 aus den Gewinnen für 2007 finanziert. Doch würden die klassischen Lebenspolicen mittelfristig noch unattraktiver. „Eine Zinssenkung wäre ein Schlag ins Kontor“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Kölner Rating-Agentur Assekurata. Die ohnehin schwächelnden Vertriebsleistungen der Versicherer gerieten noch mehr unter Druck.

Zitat:

„Eine Zinssenkung wäre ein Schlag ins Kontor“ – Reiner Will, Assekurata –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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