Blick über den Tellerrand

Banken fördern nicht nur den Hausbau, sondern auch Sanierung und Stadtentwicklung

Von Friederike Krieger Mehr als 80 Prozent der Deutschen hätten lieber ein eigenes Häuschen oder eine eigene Wohnung statt Miete zu zahlen. Dieser Wunsch bleibt aber häufig unerfüllt. Mit 45 Prozent verfügt die Bundesrepublik über eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten in Europa. Einkommen und Erspartes reichen oft nicht aus, um die hohen Grundstückspreise und Baukosten zu finanzieren, glaubt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Ebenso wie die Landesförderinstitute bietet die bundesweit tätige Förderbank der KfW zinsgünstige Darlehen für Bauherren oder Käufer von Eigenheimen. Mehr als 950 000 Kredite hat sie bereits vergeben.

„Die Finanzierung bereits bestehender Immobilien hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen“, sagt Charis Pöthig, Sprecherin der KfW Bankengruppe. Da sich die Altbauten oft nicht im besten Zustand befinden, unterstützen die Förderbanken auch Sanierungsmaßnahmen. So vergibt die KfW Darlehen an Hausbesitzer, die neue Wasserleitungen verlegen, die Außenwände dämmen oder eine Solaranlage einbauen wollen. Die Nachfrage nach diesen Förderprogrammen sei enorm gewachsen, so Pöthig.

Nicht immer fahren Häuslebauer mit einem KfW-Kredit am günstigsten. „Es kann vorkommen, dass eine private Bank dem Kunden ebenso gute Konditionen wie die KfW bietet, damit sie sich die Gesamtfinanzierung sichern kann“, sagt Thomas Bieler, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein Darlehen der Landesförderbanken lohne sich dagegen fast in jedem Fall, so Bieler. Die Institute können günstigere Kredite anbieten als die Bundesförderbank, da sie häufig die Standardprogramme der KfW mit Subventionen aus dem Landeshaushalt aufhübschen, erläutert Martin Jung von der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Evers und Jung. „Die KfW bietet in erster Linie eine großvolumige Basisförderung“, sagt er. Spezialität der Landesinstitute sind regionalspezifische Sonderprogramme. „Die Landesförderbanken kennen ihre Quartiere weit besser als die KfW und wissen, wo sie Förderschwerpunkte setzen müssen“, sagt Jung.

Die Wohnungsbauförderungsanstalt (WfA) der NRW-Bank hat sich beispielsweise der sozialen Wohnraumförderung verschrieben. Im Gegensatz zur KfW, die von ihren Kreditnehmern ausreichende Bonität verlangt, dürfen die Häuslebauer in Nordrhein-Westfalen eine gewisse Einkommensgrenze nicht überschreiten, wenn sie ein günstiges Darlehen erhalten wollen. Geringverdienern erlässt die Bank in den ersten Jahren der Kreditlaufzeit sogar die Zinsen. Trotz der einkommensschwachen Klientel sind die Kreditausfälle sehr gering, sagt Karl Hofmann von der WfA. „Vor der Förderzusage findet eine umfangreiche Tragbarkeitsprüfung statt.“

Ein Bereich, in dem es dagegen noch an Programmen mangelt, ist die Verbindung von Wohnraumförderung und Stadtentwicklung. „Die Institute könnten Förderpakete schnüren, um problematische Stadtteile voranzubringen“, sagt Berater Jung. Die L-Bank in Baden-Württemberg macht erste Schritte in diese Richtung. Sie unterstützt seit Anfang 2008 Maßnahmen, die allgemein die Wohnqualität eines Viertels verbessern sollen, wie den Bau eines Gemeindecafés oder eines Beratungszentrums. Zudem vergibt die Bank Zuschüsse für Gewerbeansiedlungen. Ziel sei es, Wohngebiete zu schaffen, in denen unterschiedliche soziale Schichten in unmittelbarer Nachbarschaft leben, erläutert Karl Epple, Vorstandsmitglied der L-Bank. „Damit soll der Entstehung sozialer Brennpunkte entgegengewirkt werden“, sagt er.

Zitat:

„Die Landesförderbanken kennen ihre Quartiere“ – Martin Jung, Evers und Jung –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit