Fusionen mit diskretem Charme

Herbert Fromme Übernahmen bringen Skalen-

effekte und Kostensenkung, stärken die Marktmacht und steigern den Unternehmenswert. Diese und andere Begründungen finden Manager, wenn sie auf Einkaufstour gehen. Über einen der wichtigsten Gründe sprechen sie ungern: Mit Übernahmen kann man elegant Probleme im eigenen Unternehmen lösen.

Beispiel Swiss Re. Firmenchef Jacques Aigrain hat 2006 den Konkurrenten GE Insurance Solutions gekauft. Seither baut Aigrain in einem beispiellosen Kraftakt die gesamte Gruppe um – und löst auch den Reformstau, den es am Züricher Mythenquai gab.

Der gerade gescheiterte Fusionsversuch von Bâloise und Gothaer hatte eine ähnliche Logik. Die Schweizer Konzernspitze ist zutiefst frustriert über die merkwürdige Struktur des Unternehmensteils Deutscher Ring, dessen Krankenversicherer ein Versicherungsverein ist und damit nicht dem Konzern gehört. Die Fusion hätte dieses Problem gelöst.

Sollte die Allianz den Zuschlag für die Postbank erhalten, hätte diese Übernahme zumindest auch einen internen Zweck. Die Münchener Führung sieht die 2000 erworbene Dresdner Bank mit zunehmender Skepsis. Nicht nur sorgt die Bank für tiefrote Flecken auf der ansonsten makellosen Allianz-Bilanz, sie wird darüber hinaus immer noch von großen Teilen des Konzerns als Fremdkörper empfunden, nicht ganz ohne eigene Schuld der stolzen Frankfurter Banker. Kauft Allianz-Chef Michael Diekmann die Postbank, muss er sie mit dem Privatkundengeschäft der Dresdner fusionieren. Fusionsbedingt würde die alte Dresdner Bank zerlegt, der Verkauf der Investmentbank wäre einfach der Fusionslogik geschuldet. Charmante Aussichten.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-Mail fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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