Sparkassenversicherer lehnen Fusion ab

Öffentliche Gesellschaften votieren gegen einheitlichen Marktauftritt und brüskieren Verbandspräsident Heinrich Haasis

Von Herbert Fromme, München Die Vorstandschefs der zum Sparkassenlager gehörenden öffentlichen Versicherer haben sich gegen eine Vollfusion ihrer Gesellschaften ausgesprochen. „Eine Fusion mit bundesweitem Marktauftritt unter einheitlicher Marke ist nicht zielführend“, heißt es in einem internen Papier mit dem Titel „Überlegungen zur Struktur der öffentlichen Versicherer“, das der FTD vorliegt. Das Dokument steht am Montag auf der Tagesordnung einer Sitzung, zu der die Sparkassenpräsidenten mit der Spitze der öffentlichen Gesellschaften zusammenkommen.

Damit widersprechen die Versicherungsmanager Heinrich Haasis, dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Haasis hatte schon im Oktober 2006 in einem Brief an die Gesellschaften „mittelfristig eine andere Struktur der öffentlich-rechtlichen Versicherer“ angemahnt. Seine Hauptsorge: Die Sparkassenversicherer verlieren seit zehn Jahren Marktanteile und können das Potenzial der Zusammenarbeit mit den Sparkassen nicht voll ausschöpfen – zum Beispiel, weil sie keine bundesweit einheitlichen Marketingkampagnen fahren können.

Zumindest die Lebensversicherer sollten sie zusammenlegen und damit auf die Restrukturierungen der Konkurrenten, vor allem der Allianz, antworten, sagte Haasis öffentlich. In dem Brief verlangte er, dass die Vorstandsvorsitzenden der Versicherer „innerhalb des nächsten Jahres konstruktive Überlegungen anstellen, wie wir diesen Herausforderungen Rechnung tragen“. Das jetzt vorgelegte Papier ist die Antwort.

Die öffentlichen Gesellschaften arbeiten unter Marken wie Provinzial, SV Versicherung oder Versicherungskammer nur in ihrer jeweiligen Region. Überregional kooperieren sie in der Kranken- und Rückversicherung. Zusammengenommen kommen die Gesellschaften auf 16,5 Mrd. Euro Prämieneinnahmen, ein Marktanteil von 10,5 Prozent. Nur die Allianz ist mit knapp 17 Prozent größer. In den vergangenen Jahren hatten einige Versicherer fusioniert, die fünf größten Gruppen kommen nun auf 93 Prozent der Prämien.

Die Versicherungschefs analysieren drei Möglichkeiten für die Weiterentwicklung: erstens die gemeinsame Entwicklung von Geschäftsfeldern und bessere funktionale Kooperation ohne die Änderung von Eigentümerstrukturen; zweitens multiregionale Versicherungsgruppen mit Änderung der Eigentümerstruktur; oder drittens die Vollfusion. Das erste und zweite Modell existiert bereits, das dritte nicht.

„Die Vorstandsvorsitzenden der öffentlichen Versicherer empfehlen eine Weiterenwicklung der multiregionalen Versicherungsgruppen unter Beibehaltung und Optimierung von Kooperationen“, heißt es in ihrem Papier. Die Vollfusion dagegen „setzt keine zusätzlichen Wachstumsimpulse, vernichtet die Werte der Marken und führt zu hohen Komplexitätskosten“. Die Wettbewerbsfähigkeit werde beeinträchtigt.

Die öffentlichen Versicherer erwarten am Montag offenbar keine unmittelbare Konfrontation mit der Sparkassenführung. „Die haben alle Hände voll zu tun mit den Problemen der Landesbanken“, sagte ein Manager. Auch bei weiteren Fusionen tue sich nur Wesentliches, wenn die Zukunft der Landesbanken entschieden sei.

So würde die Versicherungskammer Bayern, mit 5,6 Mrd. Euro Prämie die größte Gruppe im öffentlichen Lager, gerne mit der SV Sparkassenversicherung Stuttgart fusionieren. „Aber das ginge nur, wenn die Landesbanken in Stuttgart und München zusammenkommen“, sagte der Insider. Eine andere Regionalfusion liege dagegen auf der Hand – die der Provinzial Nordwest in Münster und Kiel mit der Provinzial in Düsseldorf.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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