Versicherungschefs schuldig gesprochen

Früheren Managern von Gen Re und AIG droht Gefängnisstrafe · Jury sieht Betrug als erwiesen an

Von Heike Buchter, New York,und Herbert Fromme, Köln Die Jury eines US-Gerichts in Hartford im Bundesstaat Connecticut hat am Montag fünf frühere Versicherungsmanager für schuldig in allen Punkten der Anklage erklärt. Die fünf sollen über ein Scheingeschäft zwischen dem Rückversicherer Gen Re, der zu Warren Buffetts Berkshire Hathaway gehört, und dem größten US-Versicherer AIG die AIG-Reserven künstlich aufgebläht haben, um den Aktienkurs zu stützen. Vorgeworfen wurden ihnen Verschwörung, Wertpapierbetrug, Irreführung der Börsenaufsicht SEC und Postbetrug.

Das Gericht will am 15. Mai das Strafmaß verkünden. Die Angeklagten sind weiter auf freiem Fuß. Ihnen drohen langjährige Gefängnisstrafen und hohe Geldbußen.

Zu den Angeklagten gehören der frühere Gen-Re-Chef Ronald Ferguson und die Ex-Finanzchefin Elizabeth Monrad. Von der AIG-Seite klagte die Staatsanwaltschaft den Manager Christian Milton an. Ex-AIG-Chef Maurice Greenberg, der wegen der Affäre sein Amt verlor, wurde bisher nicht angeklagt.

Branchenbeobachter sehen keine unmittelbaren Folgen für AIG und Gen Re, die bereits hohe Bußgelder zahlten. Allerdings könnte es noch weitere Topmanager treffen, glaubt David Schiff, Herausgeber des Branchendiensts Schiff’s Insurance Observer. „Das sind schlechte Nachrichten für Joe Brandon und Maurice Greenberg.“ Joe Brandon ist der heutige Gen-Re-Chef, der schon damals zur Konzernspitze gehörte.

„Mit diesen Urteilen haben die Strafverfolger die Chance, weitere Beschuldigte in den oberen Etagen auszumachen“, sagte Schiff. Möglicherweise kooperiere auch einer der Angeklagten nach dem Schuldspruch, um eine geringere Strafe zu erwirken.

Abgewickelt wurde das Geschäft über die Cologne Re Dublin, eine Tochter der Kölnischen Rückversicherung, die zur Gen Re gehört. Der umstrittene Deal kam zustande, nachdem der US-Versicherungsgigant AIG Ende Oktober 2000 einen Rückgang der Schadenreserven um 59 Mio. $ bekannt gegeben hatte. Das kam bei Analysten nicht gut an, die Aktie fiel drastisch. AIG-Chef Greenberg rief Ferguson an und bat um Hilfe. In der Folge schloss AIG mit Gen Re einen Rückversicherungsvertrag. In der ungewöhnlichen Transaktion trat AIG als Rückversicherer auf, Gen Re als Rückversicherungsnehmer. AIG buchte zweimal Reservestärkungen von je 250 Mio. $, übernahm aber keine Risiken und erhielt auch keine echte Prämie. Im Gegenzug für das Scheingeschäft zahlte AIG einer Gen-Re-Tochter 15 Mio. $. Analysten lobten die Reservestärkung, die Aktie stieg. 2005 flog das Geschäft aber auf.

Bild(er):

Ron Ferguson, früherer Chef von Warren Buffetts Rückversicherung Gen Re, und die Ex-Finanzchefin Elizabeth Monrad am Montag vor dem Gerichtsgebäude in Hartford – Bloomberg/Douglas Healey (2)

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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